Wo Elvis seine erste Gitarre bekam – und Tupelo ein Stück Geschichte rettete

5. Jan. 2026 | Allgemein, News, Tipp, USA

Es ist eine dieser kleinen Entscheidungen, aus denen große Geschichten entstehen. Im Januar 1946 betritt ein elfjähriger Junge gemeinsam mit seiner Mutter einen Eisenwarenladen an der West Main Street in Tupelo. Der Junge wünscht sich ein Gewehr zum Geburtstag. Seine Mutter sagt nein. Stattdessen zeigt sie auf eine Gitarre. Der Junge murrt kurz – und nimmt sie schließlich mit. Der Name des Jungen: Elvis Presley. Der Laden: die Tupelo Hardware Company. Der Preis der Gitarre: 7,75 Dollar. Der kulturelle Nachhall: bis heute spürbar.

Fast genau 80 Jahre später stand dieser geschichtsträchtige Ort kurz vor dem Aus. Anfang Dezember erschütterte eine Nachricht die internationale Elvis-Community: Die Eigentümerfamilie kündigte überraschend an, das Geschäft zum Jahresende zu schließen. Der traditionsreiche Eisenwarenladen, der 2026 sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hätte, sei wirtschaftlich nicht mehr tragfähig – zu groß der Druck durch moderne Baumärkte, zu gering die Perspektive für einen rentablen Weiterbetrieb.

Fassade der Tupelo Hardware Company an der West Main Street in Tupelo, Mississippi
Außenansicht der Tupelo Hardware Company an der West Main Street in Tupelo © Visit Mississippi

Ein Laden als Pilgerstätte

Was für Außenstehende nach einer lokalen Geschäftsaufgabe klang, war für viele Fans weltweit ein kultureller Einschnitt. Denn die Tupelo Hardware Company ist weit mehr als nur ein Laden. Sie ist ein Sehnsuchtsort, ein authentischer Schauplatz der amerikanischen Musikgeschichte. Noch heute wirkt der Store fast unverändert: knarrende Holzböden, alte Regale, Werkzeuge und Haushaltswaren wie aus einer anderen Zeit. Wer durch die Tür an der 114 West Main Street tritt, betritt nicht nur ein Geschäft, sondern eine Erzählung.

Signierte Akustikgitarre als Ausstellungsstück in der Tupelo Hardware Company
Signierte Gitarre als Ausstellungsstück in der Tupelo Hardware Company © Visit Mississippi

Entsprechend schnell formierte sich Widerstand gegen die Schließung. In Tupelo selbst, aber auch international, begannen Diskussionen über mögliche Rettungsszenarien. Vorschläge reichten von privaten Investoren über Stiftungsmodelle bis hin zu einer öffentlichen Übernahme. Klar war: Dieser Ort sollte nicht verschwinden.

Elvis-Imitator im Verkaufsraum der Tupelo Hardware Company in Tupelo, Mississippi
Elvis-Imitator im historischen Verkaufsraum der Tupelo Hardware Company © Visit Mississippi

Die Stadt greift ein

Am 16. Dezember fiel schließlich die entscheidende Wendung. Die Stadt Tupelo und die Eigentümerfamilie einigten sich auf einen Kaufvertrag. Zwei der drei historischen Gebäude sowie der Parkplatz hinter dem Ensemble gehen in städtischen Besitz über. Damit ist der Fortbestand des Ortes gesichert – und zugleich Raum für neue Nutzungskonzepte geschaffen.

Bürgermeister Todd Jordan brachte es auf den Punkt: „Unseren Bürgern und Besuchern aus aller Welt wird es weiterhin möglich sein, durch diese Tür an der West Main Street 114 zu gehen.“ Ein Satz, der in Tupelo mehr bedeutet als reine Standortpolitik. Er steht für das Bewusstsein, dass kulturelles Erbe ein Standortfaktor ist – emotional wie wirtschaftlich.

Der operative Weiterbetrieb liegt künftig beim Verkehrs- und Tourismusbüro der Stadt. Dessen Direktorin Stephanie Coomer sieht in der Übernahme eine große Chance: Die Stadt könne nun „ein Stück amerikanischer Geschichte bewahren und weiterhin mit Besuchern die Story des berühmten Gitarrenkaufs teilen“.

Bronzene Gedenktafel an der Tupelo Hardware Company erinnert an Elvis Presleys ersten Gitarrenkauf
Gedenktafel an der Tupelo Hardware Company in Tupelo erinnert an Elvis Presleys ersten Gitarrenkauf © Visit Mississippi

Mehr als Nostalgie

Was genau aus den Gebäuden wird, ist noch offen. Diskutiert werden museale Konzepte, erweiterte Ausstellungen oder hybride Nutzungen, die Geschichte, Handel und Besucherinformation verbinden. Wichtig ist vor allem eines: Der Laden bleibt zugänglich. Für Tupelo bedeutet das nicht nur den Erhalt eines Symbols, sondern auch die Sicherung einer zentralen Tourismusattraktion im Norden von Mississippi.

Historisches Foto von Elvis Presley als Kleinkind mit seinen Eltern in Tupelo
Historisches Familienfoto von Elvis Presley mit seinen Eltern in Tupelo © Visit Mississippi

Denn Tupelo ist längst mehr als ein Punkt auf der Landkarte. Am 8. Januar 1935 wurde Elvis Aaron Presley hier geboren – in einem winzigen Holzhaus, das sein Vater ein Jahr zuvor für 180 Dollar selbst gebaut hatte. Dieses Haus bildet heute das Herzstück des Elvis Presley Birthplace & Museum, das Besucher aus aller Welt anzieht. Die Stadt feiert ihren berühmtesten Sohn jedes Jahr im Juni mit einem mehrtägigen Elvis Festival, ergänzt durch eine Geburtstagsfeier im Januar.

Das Festival gilt als das kulturelle Highlight des Jahres: Konzerte, Wettbewerbe für „Elvis Tribute Artists“, Ausstellungen und Veranstaltungen prägen das Stadtbild. Selbst Orte wie Johnnie’s Drive In, wo der junge Elvis einst Burger aß, sind heute feste Bestandteile jeder Reise auf seinen Spuren.

Geburtshaus von Elvis Presley in Tupelo, Mississippi, mit Informationstafel
Das Geburtshaus von Elvis Presley im Elvis Presley Birthplace & Museum in Tupelo © Visit Mississippi

Ein starkes Signal für den Kulturtourismus

Die Rettung der Tupelo Hardware Company ist deshalb weit mehr als ein lokaler Erfolg. Sie ist ein Signal dafür, wie ernst Städte im amerikanischen Süden ihr kulturelles Erbe nehmen – und wie eng Musikgeschichte, Identität und Tourismus miteinander verwoben sind. Während andernorts ikonische Orte verschwinden oder zu reinen Kulissen werden, setzt Tupelo auf Authentizität und Zugänglichkeit.

Für Roadtrip-Reisende ist das eine gute Nachricht. Die Geschichte von Elvis beginnt nicht in Las Vegas oder Graceland, sondern in Tupelo – in einem kleinen Haus, in einer Kleinstadt, und in einem Eisenwarenladen, der heute wieder eine Zukunft hat. Wer den amerikanischen Süden jenseits der großen Metropolen entdecken will, findet hier einen Ort, an dem Geschichte greifbar bleibt.

Weitere Reiseinformationen zu Mississippi und Tupelo finden sich unter www.mississippi-reisen.de.

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