Der North Rim ist zurück

19. Mai 2026 | Allgemein, News, Tipp, USA

Der Grand Canyon hat seine stillere Seite zurück: Seit dem 15. Mai ist der North Rim des Grand Canyon Nationalparks wieder für Besucher geöffnet. Zwar schließt der nördliche Rand des Canyons jedes Jahr über die Wintermonate und startet erst im späten Frühjahr in die Sommersaison, doch 2026 ist die Wiedereröffnung mehr als Routine: Erstmals seit dem Dragon Bravo Fire im vergangenen Jahr können Reisende diesen abgelegenen, hoch gelegenen und oft unterschätzten Teil des Nationalparks wieder erleben.

Für Arizona ist das ein wichtiges Signal. Der North Rim steht für eine andere Grand-Canyon-Erfahrung als der deutlich häufiger besuchte South Rim: weniger Trubel, mehr Weite, kühlere Temperaturen, Außerdem auch eine längere Anfahrt. Besucher sollten die diesjährige Saison besonders sorgfältig planen, denn der Zugang ist zwar wieder möglich, der Betrieb bleibt aber eingeschränkt.

Besucher steht bei Sonnenuntergang am North Rim des Grand Canyon mit Blick über die Schlucht.
Der North Rim bietet weite Ausblicke und deutlich weniger Besucher als der South Rim des Grand Canyon © Arizona Office of Tourism

Grand Canyon ohne Routine

Der North Rim liegt auf rund 2.400 Metern Höhe und ist deutlich abgeschiedener als der South Rim. Wer hierher fährt, kommt nicht zufällig vorbei. Die Anreise führt meist über Kanab, Jacob Lake oder die weiten Landschaften Nordarizonas und Südutahs. Genau das macht den Reiz aus: Der Weg zum North Rim ist Teil des Erlebnisses.

In dieser Saison gilt das noch mehr als sonst. Der National Park Service weist ausdrücklich darauf hin, dass Reisende autark unterwegs sein sollten. Vor Ort gibt es derzeit weder Strom noch Trinkwasserversorgung. Wasserkanister, Proviant und ein voller Tank sind deshalb keine Empfehlung, sondern Voraussetzung. Kraftstoff und Wasser sollten spätestens am Jacob Lake Inn oder im North Rim Country Store aufgefüllt werden. Auch Müll muss wieder mitgenommen werden, da die Entsorgung im Park nur eingeschränkt funktioniert.

Wer gut vorbereitet kommt, wird dennoch mit einigen der eindrucksvollsten Aussichtspunkte des gesamten Grand Canyon belohnt. Alle asphaltierten Straßen sind wieder zugänglich, darunter der Highway 67 sowie die Zufahrten zu Cape Royal und Point Imperial. Damit sind Klassiker wie Point Imperial, Cape Royal, Roosevelt Point, Walhalla Overlook und Angels Window wieder erreichbar.

Gerade Cape Royal gehört zu den großen Momenten am North Rim. Der Blick reicht weit über die Felslandschaft des Canyons, und am Angels Window öffnet sich der Steinbogen wie ein natürliches Fenster in die Tiefe. Point Imperial wiederum ist der höchste Aussichtspunkt des Grand-Canyon-Nationalparks und zeigt eine wildere, schroffere Seite der Schlucht.

Besucherin blickt am North Rim des Grand Canyon auf Angels Window und die Canyonlandschaft in Arizona.
Blick auf Angels Window und die abgelegene Landschaft des North Rim im Grand-Canyon-Nationalpark © Arizona Office of Tourism

Was Besucher beachten müssen

Wer den North Rim 2026 besucht, sollte sich auf einen reduzierten, aber intensiven Parkbesuch einstellen. Spontane Übernachtungen direkt am Rand des Canyons sind in dieser Saison nicht möglich, denn am North Rim selbst stehen keine Unterkünfte zur Verfügung. Reisende müssen außerhalb des Parks planen. Die nächstgelegenen Optionen für Unterkunft, Verpflegung, Wasser und Treibstoff sind die Kaibab Lodge, der North Rim Country Store und das Jacob Lake Inn.

Auch beim Camping gibt es Einschränkungen. Der North Rim Campground ist derzeit noch geschlossen und soll im Laufe der Saison schrittweise wieder für Zelte und Wohnmobile öffnen. Für Wanderer auf dem North Kaibab Trail steht der Cottonwood Campground als Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung.

Sonnenuntergang über den Felsformationen des North Rim im Grand-Canyon-Nationalpark in Arizona.
Abendlicht über den tief eingeschnittenen Felsformationen des Grand Canyon am North Rim © Arizona Office of Tourism

Der North Kaibab Trail selbst verdient besondere Vorsicht. Der Weg wird derzeit umfassend modernisiert und stabilisiert. Aktuell wird er nur erfahrenen Wanderern empfohlen. Besucher sollten ausschließlich auf ausgewiesenen Wegen bleiben und sich vorab beim National Park Service über den aktuellen Zustand informieren. Private Reit- und Maultiertouren bleiben vorerst ausgesetzt.

Für Roadtrip-Reisende bedeutet das: Der North Rim ist 2026 kein Ort für Improvisation. Wer nur „mal schnell“ vorbeischauen möchte, unterschätzt Entfernungen, Versorgungslage und Höhenlage. Wer hingegen ausreichend Wasser, Lebensmittel, Treibstoff, Sonnenschutz, warme Kleidung und Zeit mitbringt, erlebt eine der ursprünglichsten Seiten des Grand Canyon.

Besonders reizvoll ist die Kombination mit einer Reise durch den Norden Arizonas und den Süden Utahs. Von Kanab, Page, Lake Powell, dem Grand Staircase-Escalante National Monument oder Zion National Park lässt sich der North Rim gut in eine größere Route integrieren. Auch Flagstaff bleibt ein wichtiger Ausgangspunkt für Grand-Canyon-Reisen, liegt aber näher am South Rim als am North Rim.

Die Wiedereröffnung ist auch ein Hinweis darauf, wie verletzlich selbst die ikonischsten Landschaften des amerikanischen Westens sind. Feuer, extreme Wetterlagen, saisonale Sperrungen und Instandsetzungsarbeiten gehören zunehmend zur Reiseplanung.

Der aktualisierte Pocket Guide des National Park Service für den North Rim ist für die Saison 2026 verfügbar und sollte vor der Reise konsultiert werden. Er enthält aktuelle Hinweise zu Straßen, Wegen, Versorgung und Sicherheit.

Weitere Informationen bietet der National Park Service sowie das Arizona Office of Tourism unter visitarizona.com.

Paar betrachtet den Grand Canyon bei Sonnenaufgang am North Rim in Arizona.
Sonnenaufgang am North Rim des Grand Canyon mit Blick über die Felslandschaft des amerikanischen Südwestens © Arizona Office of Tourism

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