RoadTrip Stops: Pebble Hill, GA – Winterresidenz der Südstaaten-Elite

28. Juli 2026 | Reiseinfos, RoadTrip Stops, Tipp, USA

Warum reisten wohlhabende Amerikaner einst zum „Wintersport“ nach Südgeorgia? Pebble Hill erzählt von Wachteljagd und Polo, aber auch von Sklaverei, gesellschaftlichem Wandel und den Menschen hinter einem außergewöhnlichen Southern Sporting Estate.

Pebble Hill Plantation hinter alten Eichen mit Spanish Moss in Georgia.
Mächtige Eichen mit Spanish Moss prägen den Blick auf Pebble Hill und verleihen dem historischen Anwesen seine unverwechselbare Atmosphäre © Wolfgang Greiner

Wintersport. Ausgerechnet hier. Draußen stehen Magnolien und Live Oaks, Spanisches Moos hängt von den Ästen und die Berge beginnen erst weit nördlich von Atlanta. Trotzdem war ich vor meinem Besuch bei der Recherche darauf gestoßen, dass Thomasville und die umliegenden Plantagen einst ein Zentrum für „winter sports“ gewesen sein sollen.

Große weiße Magnolienblüte auf dem Gelände der Pebble Hill Plantation in Georgia.
Die riesigen Blüten der Southern Magnolia gehören ebenso zum Landschaftsbild von Pebble Hill wie die jahrhundertealten Eichen mit Spanish Moss © Wolfgang Greiner

Ich war einigermaßen ratlos. Was sollte man sich darunter in Südgeorgia vorstellen? Langlauf? Schneeschuhwandern? Whitney White muss lachen, als ich ihr von meiner Verwirrung erzähle. Schnee gebe es hier vielleicht „once in a blue moon“, sagt die Executive Director von Pebble Hill Plantation. Nein, mit Wintersport war etwas vollkommen anderes gemeint. Vor allem: Quail Hunting – Wachteljagd. Und damit öffnet sich plötzlich eine Tür in ein Kapitel der Geschichte Südgeorgias, von dem ich vorher kaum etwas wusste.

Historische Stallanlage von Pebble Hill Plantation in Thomasville, Georgia.
Die historische Stallanlage erinnert an Pebble Hills lange Tradition als renommiertes Reit- und Jagdanwesen © Wolfgang Greiner

Vom Baumwollfeld zum Winterrefugium

Pebble Hill besteht seit rund 200 Jahren. Thomas Jefferson Johnson erwarb 1825 das erste Grundstück, aus dem die spätere Plantage hervorging. Baumwolle, Zuckerrohr, Mais und Tabak wurden angebaut, die Arbeit wurde auch von versklavten Menschen geleistet. Der Census von 1830 verzeichnete 21 versklavte Personen auf dem Anwesen.

Nach dem Bürgerkrieg begann eine zweite Geschichte. Thomasville entwickelte sich ab den 1870er-Jahren zu einem Winterurlaubsort für wohlhabende Amerikaner aus dem Norden. Sie kamen mit der Eisenbahn, um der Kälte zu entkommen – und entdeckten dabei die Jagdmöglichkeiten der Red Hills. Manche kauften schließlich ehemalige Agrarplantagen und verwandelten sie in private Jagdreviere. 1896 kaufte der Industrielle Howard Melville Hanna aus Cleveland Pebble Hill. 1901 übergab er das Anwesen seiner Tochter Kate Hanna Ireland, später Harvey. Aus der ehemaligen Agrarplantage wurde ein Winterwohnsitz und Southern sporting estate. Und jetzt verstehe ich auch den „Wintersport“. Die Saison begann, wenn es im Norden kalt wurde. Dann kamen die Familien nach Georgia. Männer und Frauen ritten, spielten Polo und jagten. Vor allem schossen sie Wachteln.

Whitney zeigt mir später eine Karte der Region. Noch 1960 bestand zwischen Thomasville, Tallahassee und Monticello ein gewaltiges Mosaik privater Plantagen. Rund 300.000 Acres seien es in dieser Region, erklärt sie. Und viele dieser Flächen sind bis heute weitgehend unbebaut, gerade weil sie als private Jagd- und Naturflächen erhalten geblieben sind. 

Historisches Foto von Mack McQueen mit Jagdhunden auf Pebble Hill Plantation.
Mack McQueen leitete über Jahrzehnte die Hundezucht und Jagdaktivitäten auf Pebble Hill und wurde zu einer prägenden Persönlichkeit des Anwesens © Wolfgang Greiner

Ein Anwesen für Menschen, Pferde – und sehr viele Hunde

Wie ernst man den Sport nahm, zeigt sich schon bei unserer Fahrt über Pebble Hill. Da ist ein eigenes Polo-Feld. Ein Stallkomplex. Es gab Zwinger für die Jagdhunde und sogar eine kleine Hundeklinik, in der kranke Tiere behandelt oder in Quarantäne genommen werden konnten. Einen Tierarzt beschäftigte man zwar nicht dauerhaft – aber er konnte hier arbeiten, wenn einer der vielen Hunde medizinische Hilfe benötigte. Daneben gab es eine Feuerwache, eine Krankenstation, Werkstätten, Wäscherei, Garagen, Unterkünfte für Mitarbeiter und Schulen für deren Kinder. Pebble Hill war weniger ein einzelnes Herrenhaus als vielmehr ein kleiner Kosmos. Rund 3.000 Acres – gut zwölf Quadratkilometer – gehören heute zum Anwesen, davon bilden etwa 77 Acres das eigentliche Museumsgelände.

Und dann fahren wir auf das Haupthaus zu. Es sieht beinahe so aus, wie ein Europäer sich eine Südstaatenplantage aus dem Bilderbuch vorstellen würde: weiß, symmetrisch, Säulen vor der Fassade. Nur ist dieses Haus gar nicht so alt.

Informationstafel zu den historischen Wirtschaftsgebäuden der Pebble Hill Plantation.
Die Informationstafel erläutert die Geschichte der Wirtschaftsgebäude und erinnert unter anderem an Mack McQueens Wohnhaus auf Pebble Hill © Wolfgang Greiner

Ein „Plantation House“ aus den 1930er-Jahren

Das Wohnhaus von 1850 brannte 1934 fast vollständig nieder. Erhalten blieb unter anderem der 1914 angebaute Loggia-Flügel. Kate Hanna Harvey ließ daraufhin vom Cleveland-Architekten Abram Garfield ein neues Haus errichten. Das Ergebnis umfasst 16 Schlafzimmer, 19 Badezimmer und 24 Kamine.  

Whitney führt mich durch Räume, die wirken, als hätten die Bewohner sie gerade erst verlassen. Das ist kein Zufall. Elisabeth „Pansy“ Ireland Poe, Kates Tochter und letzte private Besitzerin von Pebble Hill, plante selbst, dass das Anwesen nach ihrem Tod als Museum erhalten werden sollte. Seit 1983 ist Pebble Hill für die Öffentlichkeit zugänglich. Und je länger wir durch das Haus gehen, desto deutlicher wird, wie sehr hier alles um das Leben eines Sporting Estates kreiste.

Collage mit historischen Innenräumen des Herrenhauses Pebble Hill in Georgia.
Von Schlafräumen über Speisesaal bis zur Galerie: Die historischen Innenräume von Pebble Hill spiegeln Wohnkultur, Kunst und Geschichte des amerikanischen Südens wider © Wolfgang Greiner

In einem Gästezimmer liegt noch ein Formular zur Frühstücksbestellung. Während die Männer früh mit der Jagdgesellschaft hinausgingen, konnten die Damen ihr Frühstück aufs Zimmer bestellen. Besonders komfortable Gästesuiten hatten getrennte Schlafzimmer für Mann und Frau – damit der frühe Aufbruch zur Entenjagd nicht gleich beide aus dem Bett zwang. 

Überall tauchen Tiere auf. Wachteln auf Geschirr. Truthähne auf Gemälden. Pferde auf Bildern und Skulpturen. Jagdhörner, Pulverflaschen, Trophäen und sogenannte Stirrup Cups, aus denen vor der Jagd noch im Sattel auf deren Erfolg angestoßen wurde. Pansy selbst war eine ausgezeichnete Reiterin, Pferdezüchterin und eine der frühen Polospielerinnen der USA. Ihre umfangreiche Sammlung britischer und amerikanischer Sporting Art gehört heute zu den bedeutendsten Teilen des Museums.

Die Menschen hinter Pebble Hill

Doch die spannendsten Geschichten hängen nicht an den teuersten Gemälden. Whitney führt mich in ein kleines Haus, das Ende der 1920er-Jahre für Kennel-Manager Mac McQueen und seine Familie gebaut wurde. Heute erzählt die Ausstellung dort von einigen der Menschen, die Pebble Hill am Laufen hielten. Eine davon war Sarah Johnson. Sie war auf Pebble Hill versklavt gewesen und hatte sich um die Kinder der damaligen Eigentümerfamilie gekümmert. Als die Hannas das Anwesen 1896 kauften, lebte sie noch immer dort. Kate stellte sie später als Nanny ihrer Tochter Pansy ein. Damit verbindet Sarah Johnson auf sehr persönliche Weise die beiden vollkommen unterschiedlichen Epochen dieses Ortes.

Historisches Porträt von Mack McQueen mit zwei Jagdhunden auf Pebble Hill.
Mack McQueen galt als legendärer Hundetrainer und Jagdleiter von Pebble Hill – seine Geschichte gehört heute zur Dauerausstellung des Museums © Wolfgang Greiner

Die Beziehungen zwischen der reichen weißen Eigentümerfamilie und den überwiegend afroamerikanischen Beschäftigten gehören zu den komplizierteren Aspekten der Geschichte. Whitney spricht ausdrücklich über die Jim-Crow-Zeit und die rassistische Trennung im Süden. Gleichzeitig erzählt sie von Schulen für Mitarbeiterkinder, medizinischer Versorgung, Wohnhäusern und von Pansy, die mehreren Kindern von Beschäftigten Collegeausbildungen finanzierte.

Eine dieser Geschichten führt sogar nach New York: Marie Hadley, Tochter eines Chauffeurs auf Pebble Hill, war eine talentierte Sopranistin. Pansy finanzierte ihr College-Studium; später unterrichtete Hadley Oper und trat laut Whitney über viele Jahre an der Metropolitan Opera auf. 

Und es gibt eine weitere Verbindung: Jack Hadley, Gründer des heutigen Jack Hadley Black History Museums in Thomasville, wurde auf Pebble Hill geboren. Sein Vater arbeitete dort mehr als 50 Jahre als Chauffeur. Pebble Hill und das Museum arbeiten heute zusammen und verweisen die Besucher gegenseitig auf ihre Häuser. 

Historisches Haupthaus der Pebble Hill Plantation bei Thomasville in Georgia.
Das eindrucksvolle Haupthaus von Pebble Hill zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Landsitzen des amerikanischen Südens © Wolfgang Greiner

Und dann sind da wieder die Wachteln

Am Ende lande ich gedanklich trotzdem wieder bei meinem Wintersport. Denn ohne die kleine Wachtel wäre diese Landschaft heute vermutlich eine andere. Whitney zeigt mir im Haus immer wieder ihr Abbild. Auf Tellern, Bildern und Kunstwerken sitzt Northern Bobwhite Quail, der Vogel, der Generationen wohlhabender Wintergäste nach Südgeorgia lockte. Die großen Jagdgüter erforderten riesige, weitgehend unbebaute Landschaften.

Die Wachteljagd verschwand mit dem Ende der großen Wintergesellschaft keineswegs aus den Red Hills. Auf zahlreichen privaten Sporting Estates rund um Thomasville werden bis heute Bobwhite Quail gejagt. Gerade deshalb werden große Flächen der historischen Jagdlandschaft weiterhin gezielt als Lebensraum für die Vögel erhalten. Auf Pebble Hill selbst gehört die Jagd heute nur noch zur Geschichte des Museums. In der Landschaft ringsum lebt die Tradition allerdings weiter.

Plötzlich ergibt vieles Sinn: die Wälder, die Jagdhunde, das Dog Hospital, die Pferde, das Polo-Feld, die Kunstsammlung – selbst die Landschaftsgestaltung. Landschaftsarchitektin Ethelwyn Harrison entwarf sie Ende der 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre ausdrücklich so, dass Pebble Hill im Winter und im frühen Frühjahr besonders schön sein sollte, wenn die Familie hier lebte und Gäste empfing.  

Als wir wieder vor dem Haus stehen, denke ich an meine Recherche zurück. Wintersport in Südgeorgia? Natürlich. Allerdings ohne Schnee oder Skier.

Eingang zur Elisabeth Ireland Poe Gallery im Pebble Hill Plantation Museum in Georgia.
Die Elisabeth Ireland Poe Gallery präsentiert einen Teil der bedeutenden Kunstsammlung von Pebble Hill und ergänzt das historische Anwesen um hochwertige amerikanische Kunst © Wolfgang Greiner

RoadTrip-Info

Pebble Hill Plantation liegt südlich von Thomasville am US Highway 319 South. Das rund 1.200 Hektar große historische Anwesen kann sowohl mit Main-House-Touren als auch auf den Außenanlagen erkundet werden. Zum Museum gehören neben dem Haupthaus unter anderem historische Wirtschaftsgebäude, Stallungen und Gärten. Pebble Hill steht seit 1990 im National Register of Historic Places.  

⁠Website: Pebble Hill Plantation

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