Arctic Winter Games: Fairbanks wird 2028 zur Bühne des Nordens

11. Aug. 2026 | Allgemein, News, Tipp, USA

Olympische Ringe sucht man hier vergeblich. Statt Medaillen gibt es Ulus, neben Eishockey und Skilanglauf stehen Disziplinen wie Knuckle Hop, One-Foot High Kick oder Snowsnake auf dem Programm. Die Arctic Winter Games gehören zu den ungewöhnlichsten Sport- und Kulturveranstaltungen des Nordens. 2028 kommen sie zurück nach Alaska: Fairbanks wird Gastgeber der Spiele.

Logo der Arctic Winter Games mit drei miteinander verbundenen Ringen.
Das Logo der Arctic Winter Games steht für Sport, Kultur und Begegnung © Arctic Winter Games International Committee

Wer zum ersten Mal vom Knuckle Hop hört, dürfte kaum vermuten, wie unmittelbar diese Disziplin mit dem Leben im hohen Norden verbunden ist. Die Athleten bewegen sich dabei in einer Liegestützposition auf Knöcheln und Zehen vorwärts – eine enorme Kraft- und Ausdauerleistung. Der Wettbewerb gehört zu den Arctic Sports und damit zu jenen traditionellen Disziplinen, die den Arctic Winter Games ihren besonderen Charakter verleihen.

Denn die AWG sind weit mehr als eine nordische Variante der Olympischen Winterspiele. Sie verbinden sportlichen Wettbewerb mit kulturellem Austausch und bringen junge Menschen aus den nördlichen und arktischen Regionen zusammen. Neben international bekannten Sportarten stehen deshalb Wettbewerbe auf dem Programm, deren Ursprünge tief in den Kulturen des Nordens liegen.

Athletinnen beim Schneeschuh-Biathlon der Arctic Winter Games im verschneiten Yukon.
Schneeschuh-Biathlon verbindet Ausdauer, Präzision und eine für den hohen Norden typische Fortbewegungsart © Arctic Winter Games International Committee

Vom Eishockey bis zum Alaskan High Kick

Bei den Arctic Winter Games 2026 in Whitehorse umfasste das Programm 20 Sportarten aus vier Bereichen: Traditional Sports, Nordic Sports, Indoor Sports und Ice Sports. Dazu gehörten unter anderem Ski alpin, Langlauf, Snowboard, Ski- und Schneeschuh-Biathlon, Eisschnelllauf, Eiskunstlauf, Curling und Eishockey, aber auch Basketball, Volleyball, Badminton, Futsal, Tischtennis, Ringen, Bogenschießen und Gymnastik.

Besonders spannend wird es bei den traditionellen Wettbewerben. Bei den Arctic Sports messen sich die Teilnehmer unter anderem im One-Foot High Kick, Two-Foot High Kick, Alaskan High Kick, Kneel Jump, Arm Pull, Head Pull, Knuckle Hop oder One Hand Reach. Die Dene Games umfassen Disziplinen wie Finger Pull, Stick Pull, Pole Push, Hand Games und Snowsnake.

Hinter vielen dieser Wettbewerbe stehen Fähigkeiten, die für indigene Gemeinschaften des Nordens über Generationen hinweg Teil des täglichen Lebens waren. Kraft, Balance, Ausdauer und Körperbeherrschung spielten beim Jagen und Reisen ebenso eine Rolle wie in der Gemeinschaft. Die traditionellen Sportarten machen die Arctic Winter Games deshalb zugleich zu einem Schaufenster lebendiger Kultur.

Auch die Auszeichnungen passen dazu: Statt klassischer Medaillen erhalten erfolgreiche Teilnehmer goldene, silberne und bronzene Ulus – benannt nach dem traditionellen halbmondförmigen Schneidwerkzeug indigener Kulturen des arktischen Nordamerikas.

Athlet bei einem traditionellen Wettbewerb der Arctic Winter Games im Schnee.
Traditionelle Sportarten verleihen den Arctic Winter Games ihren unverwechselbaren Charakter © Arctic Winter Games International Committee

Eine Idee aus dem Jahr 1970

Die Geschichte der Arctic Winter Games reicht bis 1970 zurück. Die ersten Spiele fanden in Yellowknife in den kanadischen Northwest Territories statt. Rund 500 Teilnehmer aus dem Yukon, den Northwest Territories und Alaska kamen damals zusammen.

Die Idee dahinter hat sich bis heute kaum verändert. Junge Sportler aus abgelegenen Regionen sollten die Möglichkeit erhalten, sich miteinander zu messen, ohne dass ausschließlich jene Athleten im Mittelpunkt stehen, die ohnehin Zugang zum Spitzensport und zu großen Wettbewerben im Süden haben.

Aus den zunächst 500 Teilnehmern ist inzwischen eine der wichtigsten Sport- und Kulturveranstaltungen des zirkumpolaren Nordens geworden. Heute kommen mehr als 2.000 Athleten, Trainer und Offizielle zusammen. Vertreten sind unter anderem Alaska, Yukon, Northwest Territories, Nunavut, Northern Alberta, Nunavik im Norden Québecs, Grönland sowie die Sámi aus den nördlichen Gebieten Norwegens, Schwedens und Finnlands.

Der Sport ist dabei nur ein Teil der Idee. Kulturprogramme, Begegnungen und gemeinsame Veranstaltungen gehören ausdrücklich zum Konzept. Das Logo mit seinen drei miteinander verbundenen Ringen steht entsprechend für Athletic Competition, Cultural Exhibition und Social Interchange – sportlichen Wettbewerb, kulturellen Austausch und soziale Begegnung.

Sitzung des Arctic Winter Games International Committee mit Flaggen der teilnehmenden Regionen.
Das Arctic Winter Games International Committee koordiniert die Spiele der nördlichen und arktischen Regionen © Arctic Winter Games International Committee

2028 geht es nach Fairbanks

Nun steht auch fest, wo diese Begegnung in zwei Jahren stattfinden wird: Das Arctic Winter Games International Committee (AWGIC) hat Fairbanks in Alaska als Gastgeber der Arctic Winter Games 2028 bestätigt.

Ursprünglich hätten die Northwest Territories die Spiele ausrichten sollen, zogen sich jedoch 2024 als Gastgeber zurück. Daraufhin plante das AWGIC vorübergehend, vom traditionellen Zwei-Jahres-Rhythmus auf einen Drei-Jahres-Zyklus umzustellen. Die nächsten Spiele wären damit erst 2029 ausgetragen worden. Dann meldete sich Fairbanks.

Eine kurzfristig eingereichte Bewerbung der Stadt überzeugte das internationale Komitee so sehr, dass es seine Entscheidung revidierte. AWGIC-Präsident John Rodda bezeichnete den Vorschlag aus Fairbanks als „extraordinary“. Die Fairbanks 2028 Host Society hatte gemeinsam mit dem Fairbanks North Star Borough, dem Schulbezirk, dem Bundesstaat Alaska und weiteren Partnern ein Konzept entwickelt, mit dem die Spiele bereits 2028 stattfinden können.

Am 10. August wurde die Vereinbarung offiziell unterzeichnet. Viel Vorbereitungszeit bleibt nicht: Rodda erklärte bei der Unterzeichnung, in seinen 28 Jahren beim AWGIC noch nie ein so kurzes Zeitfenster für die Organisation der Spiele erlebt zu haben.

Teilnehmer der Arctic Winter Games bei einer Veranstaltung im verschneiten Whitehorse.
Mehr als 2.000 Athleten, Trainer und Offizielle kommen bei den Arctic Winter Games aus dem zirkumpolaren Norden zusammen, hier das Team aus Nunavut bei den AWG 2026 in Whitehorse © Arctic Winter Games International Committee

Eine Stadt mit AWG-Erfahrung

Ganz ins kalte Wasser springt Fairbanks allerdings nicht. Die Stadt hat die Arctic Winter Games bereits 1982, 1988 und 2014 ausgerichtet. Gerade die Erfahrungen von 2014 und die ausgeprägte Freiwilligenkultur der Stadt waren nach Angaben der Organisatoren wichtige Argumente für die erneute Vergabe.

Zu den vorgesehenen Einrichtungen gehören unter anderem das Carlson Center und die Big Dipper Ice Arena; Schulen des Fairbanks North Star Borough sollen zur Unterbringung der Athleten genutzt werden.

Als Austragungsort passt Fairbanks zudem erstaunlich gut zur Idee der Spiele. Die Stadt im Interior Alaskas versteht sich als Tor zur Arktis. Hundeschlitten, Langlauf, Schnee und Eis gehören hier ebenso zum Winter wie die langen Nächte, in denen über der Region das Polarlicht häufig zu sehen ist.

Gleichzeitig ist Fairbanks ein Zentrum indigener Kultur im Interior. Vor allem die Kultur der Athabasken ist hier präsent, während weiter nördlich die Heimat der Iñupiat beginnt. Veranstaltungen wie das Festival of Native Arts oder die World Eskimo-Indian Olympics, Museen und Kulturzentren sowie Tanz, Trommeln, Kunsthandwerk und traditionelle Sportarten machen diese Geschichte auch für Besucher zugänglich.

Wenn 2028 wieder mehr als 2.000 junge Menschen aus dem zirkumpolaren Norden nach Fairbanks kommen, dürfte es deshalb um weit mehr gehen als darum, wer am Ende die meisten goldenen Ulus mit nach Hause nimmt. Genau darin liegt seit 1970 die Idee der Arctic Winter Games: Der Sport bringt die Menschen zusammen – die Geschichten, Traditionen und Kulturen des Nordens machen daraus etwas Eigenes.

Mehr zu den Arctic Winter Games gibt es hier: www.awg2026.org

Mehr zu Fairbanks als Reiseziel hier: www.explorefairbanks.com

Grünes Polarlicht über einer verschneiten Winterlandschaft bei Fairbanks in Alaska.
Polarlichter gehören zu den eindrucksvollsten Wintererlebnissen rund um Fairbanks in Alaska © Brand USA

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