Ein Abendessen auf einem einsamen Bergplateau, preisgekrönter Rum an der Route 66 und eine Tankstelle, die selbst zur Sehenswürdigkeit wird: Arizona liefert neue Gründe für einen Roadtrip durch den Südwesten der USA. Dazu kommen zwei besondere Hotels, Dinosaurier in Phoenix und eine digitale Entdeckungsreise zu 250 Orten im Grand Canyon State.

Arizona gehört zu den Bundesstaaten, die sich besonders gut auf eigene Faust erkunden lassen. Zwischen den roten Felsen rund um Sedona, der Sonora-Wüste im Süden und den Wäldern des Colorado-Plateaus liegen nicht nur einige der bekanntesten Naturwunder der USA, sondern auch kleine Städte, ungewöhnliche Museen, historische Hotels und zahlreiche Geschichten abseits der großen Sehenswürdigkeiten.
Im Herbst 2026 gibt es einige neue Gründe, die Reiseroute durch Arizona um den einen oder anderen Zwischenstopp zu erweitern. Nicht alle davon sind klassische Attraktionen. Manchmal genügt eine Tankpause, manchmal lohnt sich eine Übernachtung in einem alten Eisenbahnhotel. Und wer bereit ist, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, kann sogar mit dem Helikopter zum Abendessen fliegen.
Scottsdale: Dinner mit Aussicht und Helikopter
Ein abgelegenes Bergplateau, die untergehende Sonne über dem Roosevelt Lake und weit und breit kein Restaurant. Was zunächst nicht nach einem typischen Dinner-Ausflug klingt, ist das Konzept eines besonderen Erlebnisses von H5 Helicopters in Scottsdale. Der rund zweistündige Ausflug beginnt mit einem Helikopterflug über die Seen, Canyons und Wüstenlandschaften entlang des Salt River. Ziel ist Roosevelt Point, ein abgelegener Aussichtspunkt oberhalb des Roosevelt Lake, nordöstlich von Phoenix. Dort landet der Helikopter für einen etwa 30-minütigen Aufenthalt. Gäste können die Aussicht genießen, ein Picknick arrangieren lassen oder ein privates Abendessen buchen.

Die Landschaft gehört zum Tonto National Forest, einem der größten Nationalforste der USA. Der Roosevelt Lake entstand durch den Bau des Theodore Roosevelt Dam am Salt River und ist heute ein beliebtes Ziel zum Bootfahren, Angeln und Wandern.
Mit rund 3.445 Euro für bis zu fünf Personen ist der Helikopterausflug zweifellos kein gewöhnlicher Roadtrip-Stopp. Wer allerdings nach einem besonderen Erlebnis für einen Geburtstag, Jahrestag oder eine andere Gelegenheit sucht, findet hier eine ziemlich ungewöhnliche Alternative zum klassischen Restaurantbesuch. Die tatsächliche Durchführung hängt unter anderem von Wetter und Flugbedingungen ab.
Kingman: Ein preisgekrönter Rum an der Route 66
Kingman ist für viele Reisende vor allem eines: ein wichtiger Zwischenstopp auf der historischen Route 66. Die Stadt im Nordwesten Arizonas liegt an einem besonders interessanten Abschnitt der alten Fernstraße, der über den Sitgreaves Pass und die ehemalige Goldgräberstadt Oatman führt.

Doch Kingman hat inzwischen auch einen bemerkenswerten Namen in der amerikanischen Spirituosenszene. Die familiengeführte Desert Diamond Distillery erhielt 2026 bei der International Wine & Spirits Competition (IWSC) in Bardstown, Kentucky, eine der höchsten Auszeichnungen des Wettbewerbs. Ihr Gold Miner Barrel Reserve Platinum 10 YO Rum wurde mit 98 Punkten und der Bewertung „Gold Outstanding“ ausgezeichnet. Nach Angaben der Destillerie gehörte er damit zu lediglich zwölf Rums, die 2026 diese Bewertung erhielten. Der Rum reift zehn Jahre im Fass. Das ist insofern interessant, als Arizona mit seinen großen Temperaturschwankungen und seinem trockenen Klima andere Bedingungen für die Fasslagerung bietet als die klassischen Rumregionen der Karibik.

Die Destillerie liegt direkt an der Route 66 und ist zu besichtigen. Neben Verkostungen gibt es dort eine weitere Besonderheit: Übernachten lässt sich in einem umgebauten historischen Eisenbahn-Caboose, einem ehemaligen Begleitwagen amerikanischer Güterzüge. Damit verbindet Desert Diamond gleich zwei typisch amerikanische Themen: die Geschichte der Eisenbahn und die der Route 66.
Hinweis für Reisende: Verkostungen sind nur für Erwachsene ab 21 Jahren möglich. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte den Besuch entsprechend planen.
Goodyear: Eine Tankstelle wird zur Attraktion
Wer noch nie bei Buc-ee’s angehalten hat, dürfte sich beim ersten Besuch fragen, ob er tatsächlich an einer Tankstelle gelandet ist. Die aus Texas stammende Kette hat aus dem amerikanischen Highway-Rastplatz ein eigenes Erlebnis gemacht. Ihre großen Standorte verfügen über zahlreiche Zapfsäulen, riesige Verkaufsflächen, frisch zubereitetes Barbecue und eine kaum überschaubare Auswahl an Snacks, Süßigkeiten und Souvenirs.

Seit Juni 2026 gibt es nun auch in Arizona einen Buc-ee’s. Der erste Standort des Bundesstaates wurde in Goodyear westlich von Phoenix an der Interstate 10 eröffnet. Zur Eröffnung sollen rund 41.000 Menschen gekommen sein – eine Zahl, die zeigt, welchen Kultstatus die Marke inzwischen erreicht hat.
Zu den bekanntesten Produkten gehören die Beaver Nuggets, süße, knusprige Mais-Puffs, die längst zu einem Markenzeichen geworden sind. Daneben gibt es frisch geschnittenes Brisket, Sandwiches, Gebäck und zahlreiche weitere Snacks. Unübersehbar ist auch das Maskottchen: ein lächelnder Biber mit roter Kappe, der auf Schildern, Verpackungen und unzähligen Merchandise-Artikeln auftaucht.
Buc-ee’s ist ein interessantes Beispiel dafür, wie sich die amerikanische Roadtrip-Kultur verändert. Während viele traditionelle Raststätten vor allem praktische Versorgungsstopps sind, hat die texanische Kette das Tanken selbst zu einer Art Freizeitbeschäftigung gemacht.
Für Reisende auf der Interstate 10 ist Goodyear damit ein neuer Zwischenstopp – und vermutlich einer der wenigen Orte, an denen man freiwillig länger an einer Tankstelle bleibt als unbedingt nötig.
Tucson und Winslow: Zwei Hotels mit Geschichte
Zwei traditionsreiche Hotels in Arizona wurden 2026 in das Programm Historic Hotels of America aufgenommen. Beide stammen aus dem Jahr 1930, könnten in ihrer Geschichte aber kaum unterschiedlicher sein.
• Arizona Inn: Ein Hotel mit sozialer Vergangenheit
Das Arizona Inn in Tucson wurde 1930 von Isabella Greenway gegründet, einer bemerkenswerten Persönlichkeit der Geschichte Arizonas. Greenway war Geschäftsfrau und wurde 1933 als erste Frau aus Arizona in das US-Repräsentantenhaus gewählt. Schon vor ihrer politischen Karriere engagierte sie sich für Veteranen des Ersten Weltkriegs. 1929 gründete sie in Tucson eine Werkstatt, in der verwundete und arbeitslose Kriegsveteranen Beschäftigung fanden. Die Eröffnung des Arizona Inn stand auch im Zusammenhang mit diesem sozialen Engagement.

Heute ist das Hotel vor allem für seine charakteristischen rosafarbenen Gebäude, die gepflegten Gärten und die ruhigen Innenhöfe bekannt. Das Anwesen erstreckt sich über rund 14 Hektar.
Anders als viele große Resortanlagen Arizonas wirkt das Arizona Inn eher wie ein privater Rückzugsort. Die Architektur und die Gartenanlagen vermitteln noch immer etwas von der Atmosphäre des amerikanischen Südwestens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
• La Posada: Mary Colters Eisenbahnhotel
Das La Posada Hotel in Winslow gehört zu den interessantesten historischen Unterkünften entlang der Route 66. Das 1930 eröffnete Haus wurde von der Fred Harvey Company betrieben, die mit ihren Restaurants und Hotels entlang der amerikanischen Eisenbahnstrecken eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Tourismus im Westen der USA spielte.

Entworfen wurde La Posada von Mary Colter, einer der bedeutendsten Architektinnen des amerikanischen Südwestens. Colter gestaltete unter anderem mehrere berühmte Bauwerke am Grand Canyon.
Das Hotel liegt unmittelbar an der Bahnstrecke der ehemaligen Atchison, Topeka and Santa Fe Railway. Es war Teil eines Netzwerks von Unterkünften, die Reisenden auf ihren langen Zugfahrten durch den Westen Komfort und gehobene Gastronomie boten. Nach dem Niedergang des klassischen Eisenbahntourismus verlor das Haus seine ursprüngliche Funktion. Erst durch umfangreiche Restaurierungsarbeiten wurde es wieder zu einem Hotel.

Heute verbindet La Posada die Geschichte der Eisenbahn mit jener der Route 66. Winslow ist ohnehin ein beliebter Zwischenstopp für Roadtripper, nicht zuletzt wegen der durch den Eagles-Song Take It Easy bekannt gewordenen Straßenecke „Standin’ on the Corner“.
Wer hier übernachtet, erlebt allerdings eine andere Seite der Stadt – eine, die eng mit der Entwicklung des amerikanischen Westens verbunden ist.
Phoenix: Dinosaurier zwischen den Zootieren
Im Phoenix Zoo sind seit dem 26. September 2026 wieder Dinosaurier zu sehen. Die Ausstellung „Dinosaurs in the Desert“ läuft bis zum 30. April 2027 und zeigt mehr als 30 prähistorische Arten, darunter Tyrannosaurus rex, Brachiosaurus, Ankylosaurus und Pteranodon. Anders als bei früheren Ausgaben stehen die lebensgroßen Dinosauriermodelle diesmal nicht in einem abgegrenzten Ausstellungsbereich. Sie sind über das gesamte Zoogelände verteilt und begegnen Besuchern damit während ihres regulären Rundgangs. Ergänzt wird die Ausstellung durch interaktive Informationen und Mitmachangebote, bei denen Kinder beispielsweise selbst nach Fossilien suchen können.

Gerade für Familien, die Arizona mit dem Mietwagen oder Wohnmobil bereisen, kann der Phoenix Zoo damit eine willkommene Abwechslung zwischen den großen Naturattraktionen des Bundesstaates sein. Die Ausstellung ist allerdings eine zeitlich begrenzte Veranstaltung. Wer sie besuchen möchte, sollte sich vorab über Öffnungszeiten und mögliche Zusatzkosten informieren.

250 Orte entdecken: Arizona zum Abhaken
Eine weitere Neuigkeit richtet sich besonders an Reisende, die Arizona jenseits der bekannten Sehenswürdigkeiten erkunden möchten. Anlässlich des 250. Jahrestags der amerikanischen Unabhängigkeit wurde der digitale „America250 AZ: Celebrate & Explore Pass“ entwickelt. Er führt zu insgesamt 250 Orten und Erlebnissen im gesamten Bundesstaat. Dazu gehören Naturattraktionen, Museen, kulturelle Einrichtungen, Restaurants und kleinere Sehenswürdigkeiten, die in klassischen Reiseführern nicht immer viel Aufmerksamkeit erhalten.
Das Prinzip ist einfach: Reisende wählen interessante Stationen aus und können bei einem Besuch digital einchecken. Mit zunehmender Zahl an Check-ins lassen sich verschiedene virtuelle Sticker sammeln. Der Pass ist damit eine Art moderne Schnitzeljagd durch Arizona.

Interessant ist vor allem der Ansatz, nicht ausschließlich die großen touristischen Ziele in den Mittelpunkt zu stellen. Gerade für einen Roadtrip kann das eine gute Möglichkeit sein, unterwegs spontan einen Abstecher einzulegen oder eine Region genauer kennenzulernen.
Denn zwischen Grand Canyon, Monument Valley und Sedona liegen zahlreiche kleinere Orte, deren Geschichten oft mindestens ebenso interessant sind wie die berühmten Landschaften.
Arizona bleibt ein Roadtrip-Land
Die aktuellen Neuigkeiten zeigen einmal mehr, wie unterschiedlich die Erlebnisse sein können, die Reisende in Arizona erwarten.
Ein Helikopterflug über die Wüste ist sicher nicht für jedes Reisebudget geeignet. Eine Rumdestillerie an der Route 66, ein historisches Eisenbahnhotel oder eine außergewöhnlich große Tankstelle lassen sich dagegen unkompliziert in eine bestehende Route einbauen. Gerade diese Mischung macht Arizona für Roadtripper interessant. Die großen Landschaften liefern den Rahmen, doch häufig sind es die unerwarteten Zwischenstopps, die später besonders in Erinnerung bleiben.
Und manchmal beginnt eine gute Geschichte eben nicht am Grand Canyon, sondern an einer Tankstelle in Goodyear.
RoadTrip-Info
H5 Helicopters – Scottsdale
Helikopterausflug zum Roosevelt Point mit rund 30-minütigem Aufenthalt auf einem abgelegenen Bergplateau. Gesamtdauer etwa zwei Stunden. Preis laut Anbieterinformation rund 3.445 Euro für bis zu fünf Personen. Picknick und Dinner auf Anfrage.
Desert Diamond Distillery – Kingman
Familiengeführte Destillerie an der historischen Route 66 mit Verkostungen und Übernachtungsmöglichkeit in einem umgebauten Eisenbahn-Caboose. Verkostungen ab 21 Jahren.
Buc-ee’s – Goodyear
Erster Standort der texanischen Tankstellen- und Raststättenkette in Arizona, eröffnet im Juni 2026. Lage an der Interstate 10 westlich von Phoenix.
Arizona Inn – Tucson
1930 eröffnetes Hotel mit Gartenanlage und historischen Gebäuden. Seit 2026 Mitglied von Historic Hotels of America.
La Posada Hotel – Winslow
Historisches Eisenbahnhotel von 1930, entworfen von Mary Colter. Direkt an der Route 66 und der Bahnstrecke gelegen. Seit 2026 Mitglied von Historic Hotels of America.
Phoenix Zoo – Dinosaurs in the Desert
26. September 2026 bis 30. April 2027. Mehr als 30 prähistorische Arten, verteilt über das Zoogelände.
America250 AZ: Celebrate & Explore Pass
Digitaler Entdeckungspass mit 250 Orten und Erlebnissen in ganz Arizona.
Weitere Reiseinformationen:
Visit Arizona – Offizielle Tourismuswebsite (Deutsch)
