Wenn sich Schnee und Eis über die kanadischen Rocky Mountains legen, verwandeln sich Banff National Park und Jasper National Park in eine stille Winterwelt. Wasserfälle erstarren zu Eisvorhängen, Wälder knistern im Frost, und selbst bekannte Wege wirken plötzlich neu. Winterwandern ist hier kein Extremsport, sondern eine überraschend zugängliche Möglichkeit, die Parks abseits des Sommertrubels zu erleben – gerne auch ohne Schneeschuhe oder alpine Erfahrung.

Banff: Klassiker mit Wintercharakter
Rund um den Ort Banff finden sich mehrere gut präparierte Wege, die auch bei Schnee problemlos begehbar sind. Einer der eindrucksvollsten ist der Spaziergang am Gipfel des Sulphur Mountain. Wer mit der Gondel nach oben fährt, erreicht eine kurze, nahezu ebene Promenade mit weitem Blick über Bow- und Spray Valley. Gerade im Winter wirkt die Landschaft klarer und ruhiger, während Infotafeln Einblicke in die Geschichte und Geologie des Parks geben.

Ein echter Winterklassiker ist der Johnston Canyon. Der Weg durch die enge Schlucht ist auch im Winter gesichert und führt an gefrorenen Wasserfällen vorbei, die sich zu mächtigen Eisskulpturen verwandeln. Besonders reizvoll: In der kalten Jahreszeit ist es hier deutlich ruhiger als im Sommer, wenn sich Besucherströme durch den Canyon schieben.

Wer lieber direkt vom Ort aus startet, findet auf dem Tunnel Mountain eine kurze, aber aussichtsreiche Tour. Der gut ausgebaute Weg bietet Panoramablicke auf Banff, den Bow River und die markante Flanke des Mount Rundle – ein ideales Ziel für einen halben Wintertag.

Jasper: Weite, Ruhe und gefrorene Seen
Der Jasper National Park gilt als wilder und weitläufiger als Banff – und genau das macht Winterwanderungen hier besonders reizvoll. Ein entspannter Einstieg ist die Runde um den Pyramid Lake, nur wenige Minuten vom Ort Jasper entfernt. Der Weg verbindet offene Seeflächen, verschneite Wälder und Blicke auf die umliegenden Gipfel. Bei klarer Sicht spiegeln sich die Berge im Eis – ein ruhiges, fast meditatives Erlebnis.

Ähnlich zugänglich ist der Rundweg am Lake Annette. Der flache Pfad entlang des zugefrorenen Sees eignet sich perfekt für gemütliche Winterspaziergänge. Picknickplätze laden auch in der kalten Jahreszeit zu Pausen ein – mit Thermoskanne versteht sich.
Wer Stadt und Natur verbinden möchte, ist auf dem Jasper Discovery Trail richtig. Der Rundweg führt durch Wälder, entlang des Athabasca Rivers und zu historischen Punkten rund um den Ort Jasper. Dank mehrerer Einstiegsmöglichkeiten lässt sich die Strecke flexibel an Wetter und Tagesform anpassen.

Gut vorbereitet in den Winter
Winterwandern in den Rockies ist unkompliziert, erfordert jedoch etwas Vorbereitung. Feste, wasserdichte Schuhe, warme Kleidung im Zwiebelsystem und Spikes (z.B. von Kahtoola oder Schuhe von Icebug) für vereiste Passagen gehören zur Grundausstattung. Schneeschuhe sind bei mehr Schnee die beste Option. Wanderstöcke sorgen für zusätzliche Stabilität. Wichtig ist zudem, sich vorab über aktuelle Bedingungen zu informieren und Wege mit Lawinengefahr zu meiden – Parks Canada veröffentlicht regelmäßig Trail-Updates.

Banff und Jasper zeigen im Winter eine ruhigere, fast intime Seite. Leichte Winterwanderungen ermöglichen eindrucksvolle Naturerlebnisse ohne großen Aufwand – ideal für Reisende, die die kanadischen Rockies jenseits von Skipisten und Sommerhochbetrieb entdecken möchten. Wer früh startet, gut ausgerüstet ist (wenn nötig, kann man in lokalen Sportgeschäften Schneeschuhe mieten) und die kurzen Tage einplant, wird mit klarer Luft, spektakulären Landschaften und besonderer Stille belohnt.
Bei Parks Canada kann man sich über aktuelle Wegberichte, Schnee- und Lawinensituation, etc. in Banff und Jasper informieren.

