Alle Jahre wieder steht am 2. Februar die große Frage im Raum: Bleibt der Winter noch sechs Wochen oder kommt der Frühling früher? In Punxsutawney, Pennsylvania, blickt man dafür ehrfürchtig auf ein Murmeltier namens Phil. Doch seit einiger Zeit bekommt er ernsthafte Konkurrenz aus Kanada: Lucy the Lobster aus Nova Scotia gibt seit 2018 ebenfalls ihr Urteil ab. Und sagen wir so – wenn es um Küstenwetter, Strömungen und Bauchgefühl geht, hört man am Atlantik eher auf Krustentiere als auf Nager.

Phil sagt … Winter!
Punxsutawney Phil, das wohl berühmteste Murmeltier der Welt, hat laut seinem Auftritt am Gobbler’s Knob auch dieses Jahr seinen Schatten gesehen. Übersetzung aus dem Murmeltierischen: Noch sechs Wochen Winter. Keine Überraschung – Phil ist traditionell eher vorsichtig. Statistisch gesehen liegt seine Trefferquote je nach Auswertung irgendwo zwischen 35 und 40 Prozent. Oder anders gesagt: eine Münze hätte ähnliche Chancen.

Lucy sagt … Frühling!
Ganz anders Lucy the Lobster auf der Cape Sable Island Causeway in Nova Scotia. Dort wird der Groundhog Day maritim interpretiert: Lucy verfährt nach demselben Muster wie Phil: Schatten oder nicht? Das Ergebnis für 2026: Kein Schatten und damit früher Frühling. Die kanadische Küste jubelt – und denkt sich vermutlich: Endlich jemand, der den Golfstrom versteht.

Wer hat recht? Ein Blick auf die Landkarte
Jetzt wird’s wissenschaftlich (oder zumindest geografisch).
Die Luftlinie zwischen Gobbler’s Knob in Punxsutawney und der Cape Sable Island Causeway beträgt rund 1.100 Kilometer. Dazwischen liegen: mehrere Bundesstaaten, die Appalachen, der Winter New Englands, ein bisschen Atlantik – und eine ganze Menge unterschiedlicher Wettermodelle. Kurz gesagt: Wenn beide dieselbe Prognose hätten, wäre das erst recht verdächtig.
Mit einem Augenzwinkern gesagt: Vielleicht sagt Phil etwas über Pennsylvanias Hinterland aus, während Lucy eher weiß, wann in Nova Scotias Buchten wieder Boote ins Wasser gehen können.
Ein Brauch mit langer Geschichte
Der Groundhog Day geht auf deutsche Einwanderer zurück, die im 18. Jahrhundert ihre Wetterregeln aus Europa mitbrachten. Dort waren es Dachse oder Igel; in Nordamerika wurde daraus das Murmeltier. Heute gibt es neben Phil und Lucy, die 2018 in Nova Scotia dazugekommen ist, noch weitere tierische Wetterpropheten, darunter zum Beispiel:
- Wiarton Willie (Ontario, Kanada): Er sagt für 2026 einen frühen Frühling voraus
- Staten Island Chuck (New York): Er sah 2026 seinen Schatten, was sechs weitere Wochen Winter bedeutet
- Braunbär (Serbien, Rumänien und Ungarn): Verlässt er im Februar kurz seine Höhle und kehrt zurück, drohen 40 weitere Wintertage. Aktuelle Ergebnisse sind allerdings nicht überliefert
- Laubfrosch (Deutschland): Wetterprophet im Dauereinsatz
Die Zuverlässigkeit? Charmant überschaubar.

Popkultur darf nicht fehlen
Unsterblich wurde der Groundhog Day durch den Film Und täglich grüßt das Murmeltier mit Bill Murray. Wer ihn gesehen hat, weiß: Selbst wenn Phil sich irrt, wiederholt sich alles sowieso – zumindest im Film.
Und warum Lucy perfekt zu Nova Scotia passt
Wer unseren Artikel über den South Shore Lobster Crawl kennt, weiß: In Nova Scotia ist der Hummer mehr als nur Essen – er ist Identität, Wirtschaftsfaktor und Lebensgefühl. Dass ausgerechnet ein Hummer den Frühling ankündigt, fühlt sich hier einfach richtig an. Vielleicht weniger meteorologisch exakt, aber regional tief verankert.
Fazit
Ob Murmeltier oder Hummer – der Groundhog Day ist weniger Wettervorhersage als liebenswerte Wintertradition. Phil mag den Winter verlängern, Lucy macht Hoffnung auf den Frühling. Und wir? Wir freuen uns über beides – mit Schal oder mit Sonnenbrille.



