Die Nationalparks der USA gehören zu den ikonischsten Reisezielen dieser Erde: Grand Canyon, Yellowstone, Yosemite oder Zion stehen auf den Wunschlisten vieler Europa- und Fernreisender. Doch wer ab Januar 2026 einen dieser Parks besuchen will, muss tiefer in die Tasche greifen – und das vor allem als internationaler Gast. Die neuen Gebühren und Preisstrukturen lösen gerade unter Reisenden und BranchenexpertInnen eine heftige Debatte aus.

Neue Preisstruktur: Mehr zahlen – aber nicht alle gleich
Am 25. November 2025 hat der National Park Service (NPS) gemeinsam mit dem Department of the Interior eine Modernisierung der Eintritts- und Passstruktur angekündigt. Ziel sei es, den Zugang zu den Parks zu verbessern, digitale Pässe bereitzustellen und die Einnahmen in Pflege, Infrastruktur und Services zu investieren. Gleichzeitig wurde eine „resident-focused fee structure“ eingeführt, die US-Bürgern und Inhabern eines Wohnsitzes in den Staaten gegenüber internationalen BesucherInnen deutliche Vorteile einräumt.

Kernpunkte der Änderungen seit 1. Januar 2026:
- Der „America the Beautiful“-Jahrespass für US-Einwohner bleibt bei US$ 80.
- Für internationale Gäste wird der Jahrespass auf US$ 250 erhöht.
- Zusätzlich wird in 11 der meistbesuchten Nationalparks eine Eintrittsgebühr von US$ 100 pro Person erhoben, wenn kein Jahrespass vorliegt – unabhängig davon, ob der Besucher zu Fuß, mit dem Auto oder mit dem Fahrrad unterwegs ist.
Zu den betroffenen Parks zählen unter anderem Grand Canyon, Yellowstone, Glacier, Yosemite, Rocky Mountain oder Zion.
Parallel dazu werden „Free Entrance Days“ als kostenloser Eintrittstag künftig weitgehend auf US-Bürger und Bewohner beschränkt – auch an Feiertagen, die zuvor für alle galten. Internationale BesucherInnen zahlen an diesen Tagen reguläre Eintritts- oder Zusatzgebühren.

Warum dieser Schritt – und warum er umstritten ist
Offiziell erklärt das Department of the Interior die Anpassungen damit, dass die Einnahmen in „wesentliche Wartung, Infrastrukturverbesserungen und Service“ fließen sollen und US-Steuerzahler besonders entlastet würden. Zudem sollen neue digitale Pässe und erweiterte Zugänge – etwa für Motorräder – die Nutzung vereinfachen.
Doch man kann dies auch anders sehen: Ein solches „America-first“-Preismodell, bei dem internationale Besucher systematisch mehr zahlen müssen, könnte genau jene Gäste vergraulen, die ohnehin zurückhaltender gegenüber Reisen in die USA geworden sind. Die Zahl ausländischer Parkbesucher ist in einigen Parks in den letzten Jahren bereits gesunken. Entsprechende lokale Wirtschaftseffekte sind nicht eingerechnet.
Gerade für Europa-Reisende, die bereits hohe Flug- und Mietwagenkosten tragen, wirkt ein zusätzlicher Kostenblock wenig einladend. Zudem werfen verstärkte, gebührenfreie Tage nur für Residents Fragen nach Gleichbehandlung auf, während Parks global damit werben, „Americas Iconic and Lesser-Known Parks“ attraktiver zu präsentieren.

Wie man trotz Gebühren einen tollen Parktrip erlebt
Die gute Nachricht: Nationalparks sind nicht grundsätzlich teurer im Zugang, sondern nur in der Struktur. Zudem gibt es Strategien, um teure oder überlaufene Bereiche zu umgehen und gleichzeitig eine höhere Erlebnisqualität zu erreichen.
Tipps für cleveres Reisen trotz Gebühren:
- Wer früh morgens oder spät am Abend erscheint, begegnet oft weniger Menschen – und kann teure Reservierungspflichten oder Zeitfenster umgehen. Peak-Besuche mittags sind in vielen Parks am vollsten.
- Ruhige Wege wählen: Schon ein kurzer Fußmarsch abseits der Hauptattraktionen bringt oft Ruhe und bessere Naturerlebnisse.
- Wochentage & Nebensaison: Besucherzahlen fallen unter der Woche und außerhalb nationaler Schulferien deutlich ab, insbesondere im Spätsommer oder Herbst (z. B. September/Oktober).
- Weniger bekannte Parks: Abseits der bekannten Top-Ziele gibt es spektakuläre Nationalparks mit weniger Menschen und oft geringeren Kosten – etwa Great Basin oder Black Canyon of the Gunnison.
- Tiefer ins Backcountry: Wanderungen in abgelegenen Gebieten oder mehrtägige Backcountry-Erlebnisse reduzieren insbesondere für erfahrene Outdoor-Enthusiasten nicht nur die Menschenmassen, sondern erhöhen auch die Intensität des Naturerlebnisses.
Amerikas Nationalparks besitzen unvergleichliche landschaftliche Vielfalt – von riesigen Canyons über Gletscherseen bis zu bunten Sandsteinklippen. Die neuen Gebührenstrukturen sollen die Parks langfristig finanziell stützen, geraten jedoch zu einem Stolperstein für internationale Besucher. Ein Land, das weltweit mit atemberaubender Natur wirbt und gleichzeitig zurzeit mit seinem Ruf zu kämpfen hat, sollte sorgfältig abwägen, wie es seine internationalen Gäste behandelt. Für viele Reisende gilt daher: genau planen, frühzeitig buchen und bewusst Zeiten und Orte wählen, um trotz höherer Kosten das Beste aus dem Parkbesuch herauszuholen.
