New Orleans ist eine Stadt, die man kaum kennenlernen kann, ohne dabei zu essen. Gumbo und Jambalaya erzählen von kreolischen und Cajun-Traditionen, Po-Boys gehören ebenso zum Alltag wie Beignets und selbst ein Cocktail wie der Sazerac ist Teil der Stadtgeschichte. Im Herbst 2026 rückt diese kulinarische Seite besonders in den Vordergrund: Zwischen Anfang Oktober und Dezember folgen Food-Festivals, saisonale Spezialitäten und kulinarische Veranstaltungen beinahe nahtlos aufeinander.

Den Auftakt macht das National Fried Chicken Festival. Danach folgen Blues und Barbecue, ein Oktoberfest mit überraschend starken deutschen Wurzeln sowie im November gleich zwei Feste für New-Orleans-Klassiker: Beignets und Po-Boys. Und wer nicht nur essen, sondern auch verstehen möchte, was hinter der Küche Louisianas steckt, kann zwischen Food-Museum, Kochschule und Cocktailkurs tiefer eintauchen.
Drei Tage Fried Chicken am Lakefront
Beim National Fried Chicken Festival geht es vom 2. bis 4. Oktober erwartungsgemäß um knusprig frittiertes Huhn – allerdings in deutlich mehr Variationen, als der Name zunächst vermuten lässt. Die diesjährige Ausgabe feiert zugleich das zehnjährige Bestehen des Festivals und zieht erstmals auf die Festival Grounds der UNO Lakefront Arena um.
Das Spektrum reicht von klassischen Wings und Chicken Sandwiches bis zu internationalen Interpretationen. Auf der aktuellen Speisekarte der teilnehmenden Restaurants finden sich etwa Korean Fried Chicken Bao, Hot-Honey-Chicken, Chicken mit Cajun Pastalaya oder Ube Chicken & Waffles.
Fast ebenso wichtig wie das Essen ist die Musik. 2026 stehen unter anderem Nelly, 2 Chainz, Keri Hilson, Dillon Francis, Marc Broussard und Big Freedia gemeinsam mit dem Louisiana Philharmonic Orchestra auf dem Programm.
Wer vor dem Essen noch Kalorien verbrennen möchte, kann am Samstagmorgen beim zum Festival gehörenden 5-km-Lauf entlang des Lakefront starten. Das Ziel liegt passenderweise direkt vor dem Festivalgelände.
Oktoberfest trifft Blues und BBQ
Nur eine Woche später wird es kulinarisch und musikalisch gleich doppelt interessant. Am 9. Oktober beginnen zwei Veranstaltungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und gerade deshalb ziemlich gut zu New Orleans passen.
Im Deutschen Haus am Bayou St. John wird an drei Wochenenden Oktoberfest gefeiert: am 9./10., 16./17. und 23./24. Oktober. Auf den Tisch kommen Bratwurst, Sauerkraut, bayerische Brezeln und deutsche Desserts, ausgeschenkt werden mehr als 20 deutsche Biere. Dazu gibt es Blasmusik, Tanz und natürlich Maßkrugstemmen. Der Eintritt kostet zehn US-Dollar, Kinder bis zwölf Jahre kommen kostenlos hinein.
Nur wenige Kilometer entfernt feiert das Crescent City Blues & BBQ Festival gleichzeitig sein 20-jähriges Bestehen. Das kostenlose Festival wurde 2006 ins Leben gerufen, als New Orleans sich nach Hurrikan Katrina im Wiederaufbau befand. Aus der damaligen Initiative ist eine der großen kostenlosen Kulturveranstaltungen der New Orleans Jazz & Heritage Foundation hervorgegangen.
Vom 9. bis 11. Oktober treffen im Lafayette Square Park Blues und Southern Barbecue aufeinander. Das Musikprogramm ist 2026 ausgesprochen prominent besetzt: Unter anderem spielen Booker T. Jones, Samantha Fish, Little Freddie King, George Porter Jr. & Runnin’ Pardners, Mia Borders und Terrance Simien and the Zydeco Experience. Dazu kommen lokale Gastronomie und ein Kunstmarkt. Der Eintritt ist frei.
Ein ganzer Tag für den Beignet
Im November widmet New Orleans zwei seiner bekanntesten kulinarischen Klassiker jeweils ein eigenes Festival. Am 7. November dreht sich beim Beignet Fest im City Park alles um das frittierte Gebäck, das längst zu den kulinarischen Wahrzeichen der Stadt gehört. Neben klassischen, mit Puderzucker bestäubten Beignets gibt es wesentlich experimentellere Varianten – bis hin zu herzhaften Crawfish-Beignets.

Neu ist 2026 „The Porch“. Dort geht es weniger um das Essen selbst als um die Geschichten dahinter. Der New-Orleans-Koch Kevin Belton moderiert Gespräche mit Köchen und Persönlichkeiten der lokalen Foodszene über Menschen, Traditionen und die kulinarische Kultur Louisianas.
Mehr als 100 Arten, einen Po-Boy zu bauen
Schon einen Tag später übernimmt ein Sandwich die Stadt. Beim Oak Street Po-Boy Festival am 8. November verwandeln sich sieben Blocks der Oak Street im Uptown-Viertel in eine lange kulinarische Festmeile.
Mehr als 100 verschiedene Interpretationen des Po-Boy sind angekündigt. Rund 40 Food- und Getränkeanbieter nehmen teil, dazu kommen mehrere Musikbühnen, Kunstmarkt, Kinderprogramm und ein Wettbewerb um die besten Sandwich-Kreationen. Die Veranstalter rechnen traditionell mit Zehntausenden Besuchern.
Der Po-Boy selbst ist viel mehr als ein belegtes Baguette. Klassisch wird das charakteristisch knusprige New-Orleans-Brot etwa mit frittierten Garnelen, anderen Meeresfrüchten oder Roastbeef gefüllt. Beim Festival werden diese Grundlagen regelmäßig ziemlich frei interpretiert.
Der Eintritt zum Festival ist kostenlos, für den Kauf von Po-Boys wird allerdings ein Wristband benötigt. 2026 findet das Fest von 10 bis 18 Uhr statt.
Für Roadtripper gibt es übrigens eine interessante neue Anreisemöglichkeit: Die Veranstalter weisen ausdrücklich auf den wieder aufgenommenen Amtrak Mardi Gras Service zwischen Mobile und New Orleans hin. Die Strecke führt über Pascagoula, Biloxi, Gulfport und Bay Saint Louis und lässt sich gut in einen Roadtrip entlang der Golfküste integrieren.
Austern, Gumbo und ein Thanksgiving-Po-Boy
Nicht alles, was New Orleans im Herbst kulinarisch interessant macht, braucht allerdings ein Festival. Ab September beginnen die traditionell als Austernsaison geltenden Monate mit einem „R“. Entsprechend tauchen Austern nun wieder verstärkt auf den Speisekarten auf – roh, gegrillt oder in zahlreichen klassischen Gerichten der Region. Gleichzeitig beginnt mit sinkenden Temperaturen die Hochsaison für Gumbo, den kräftigen Eintopf, dessen unzählige Varianten viel über die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse auf Louisianas Küche erzählen.

Eine wesentlich eigenwilligere saisonale Spezialität serviert die traditionsreiche Parkway Bakery & Tavern am 4., 11. und 18. November. Ihr Thanksgiving Po-Boy kombiniert gebratenen Truthahn mit Bratensauce, würziger Cornbread-Füllung und Cranberrysauce auf einem Po-Boy-Brot. Die Einnahmen einer damit verbundenen Ticketaktion kommen der Al Copeland Foundation zugute.
Kochen wie in New Orleans lernen
Wer nach all dem nicht nur satt, sondern auch etwas klüger nach Hause gehen möchte, kann die Küche der Stadt selbst ausprobieren. Das Southern Food & Beverage Museum beschäftigt sich mit der Ess- und Trinkkultur der amerikanischen Südstaaten. Unter demselben Dach vermittelt die DeeLightful Roux School of Cooking Grundlagen der Cajun- und kreolischen Küche.
Mitten im French Quarter befindet sich die New Orleans School of Cooking in einem historischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Dort geht es um Klassiker wie Gumbo, Jambalaya und Pralinen – entweder in Form einer Kochvorführung oder im praktischen Kurs am Herd. Die Mardi Gras School of Cooking bietet ebenfalls Mitmachkurse an, darunter Angebote zur kreolischen Küche und zur vielleicht wichtigsten Grundlage vieler Gerichte Louisianas: der richtigen Roux.
Und weil New Orleans nicht nur im Kochtopf stattfindet, lässt sich anschließend noch der Arbeitsplatz wechseln. Bei Drink Lab NOLA erklärt Mixologe Daniel Victory die Geschichte und Zubereitung von Cocktails wie dem Sazerac, dem Hurricane und dem Pimm’s Cup.
Vom Herbst direkt in die Festtagssaison
Im Dezember geht die kulinarische Saison schließlich fast nahtlos in die Weihnachtszeit über. Dann kehrt Réveillon zurück, eine kreolische Tradition mit Wurzeln im 19. Jahrhundert. Ursprünglich kamen Familien nach der Mitternachtsmesse am Heiligabend zu einem aufwendigen Festessen zusammen. Heute interpretieren zahlreiche Restaurants in New Orleans diese Tradition neu und bieten während des Dezembers mehrgängige Réveillon-Menüs an.
Damit ist der Herbst vielleicht eine der besten Jahreszeiten, um New Orleans tatsächlich durch den Geschmack kennenzulernen. Fried Chicken und Po-Boys mögen auf den ersten Blick nach unkompliziertem Streetfood aussehen. Dahinter stehen jedoch ebenso Geschichten von Einwanderung, kreolischer und cajunischer Kultur, afroamerikanischen Traditionen und regionalen Produkten wie hinter Gumbo, Austern oder einem Sazerac. In kaum einer anderen amerikanischen Stadt lässt sich Geschichte so selbstverständlich bestellen.

RoadTrip-Info
Das National Fried Chicken Festival findet vom 2. bis 4. Oktober 2026 auf den UNO Lakefront Arena Festival Grounds statt. National Fried Chicken Festival
Das Oktoberfest im Deutschen Haus läuft am 9./10., 16./17. und 23./24. Oktober. Eintritt: 10 US-Dollar, Kinder bis zwölf Jahre frei. Oktoberfest New Orleans
Das Crescent City Blues & BBQ Festival findet vom 9. bis 11. Oktober im Lafayette Square Park statt. Der Eintritt ist kostenlos. Crescent City Blues & BBQ Festival
Das Beignet Fest folgt am 7. November, das Oak Street Po-Boy Festival am 8. November. Beignet Fest · Oak Street Po-Boy Festival
Weitere Informationen zur Stadt und zur kulinarischen Szene gibt es bei New Orleans & Company.
