Route 66: Die indigene Geschichte der Mother Road

12. März 2026 | Allgemein, Highlight, Reiseberichte, Reiseinfos, USA

Der Asphalt schimmert in der Hitze des späten Nachmittags. Die Route 66 zieht sich wie ein graues Band durch die trockene Landschaft Nordarizonas. Ein alter Pick-up rollt langsam durch den kleinen Ort Peach Springs. Vor dem Diner gegenüber flackert eine Neonreklame, während ein warmer Wind Staub über die Straße trägt.

Verlassene Tankstelle mit Oldtimer in der Wüste entlang der Route 66 in Arizona.
Verlassene wirkende Tankstellen und Oldtimer wie hier in Arizona erinnern an die Zeit der klassischen Roadside-Attraktionen entlang der Route 66 © Wolfgang Greiner

Für viele Reisende ist dies genau das Bild, das sie sich von der Route 66 erträumen: eine Straße voller Nostalgie, ein Hauch vergangener Zeiten, irgendwo zwischen Tankstelle, Motel und endlosem Horizont. Doch jenseits der Straße beginnt eine andere Geschichte.

Nur wenige Kilometer entfernt fällt das Land abrupt in den Grand Canyon ab. Der Colorado River windet sich tief unten durch eine der spektakulärsten Landschaften Nordamerikas. Seit Jahrhunderten ist dieses Gebiet Heimat der Hualapai, eines indigenen Volkes, dessen Stammeszentrum heute in Peach Springs liegt – direkt an der historischen Route 66. Für die Hualapai und viele andere indigene Nationen entlang der Straße ist die Route 66 nicht nur ein Symbol amerikanischer Freiheit. Sie ist auch eine Erinnerung daran, dass diese Landschaften schon lange vor der Straße existierten.

Porträt von Sherry L. Rupert, CEO der American Indigenous Tourism Association.

„Die Route 66 wird oft als Amerikas Main Street beschrieben“, sagt Sherry L. Rupert, CEO der American Indigenous Tourism Association und Angehörige der Paiute- und Washoe-Nationen. „Aber diese Geschichte beginnt meist erst im 20. Jahrhundert. Was fehlt, ist das Verständnis, dass diese Landschaften seit Jahrtausenden indigene Heimat sind.“ 

Die American Indigenous Tourism Association (AITA) ist eine nationale Non-Profit-Organisation, die von indigenen Nationen gegründet wurde, um den Tourismus in ihren Gemeinschaften zu stärken und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Die Organisation existiert seit mehr als 27 Jahren. Sie bietet Stämmen Schulungen, Beratung und Programme zur Entwicklung touristischer Angebote. Bis Oktober 2025 war die Organisation unter dem Namen American Indian Alaska Native Tourism Association (AIANTA) bekannt. Mit der Umbenennung will sie ihre inklusivere und erweiterte Mission für Indigenous Tourism in den USA deutlicher sichtbar machen.

Logo zum 100-jährigen Jubiläum der Route 66 (1926–2026) mit klassischem US-Highway-Schild und stilisierter Straße.
Das Centennial-Logo erinnert an 100 Jahre Route 66 als touristische Ikone des amerikanischen Roadtrips. Doch entlang der berühmten Strecke von Chicago bis Santa Monica liegen Landschaften und Kulturen, deren Geschichte weit älter ist – geprägt von indigenen Nationen, deren Heimat die Route bis heute durchquert © Route 66 Centennial

100 Jahre touristische Route 66

In diesem Jahr feiert die Route 66 offiziell ihren 100. Geburtstag. Am 11. November 1926 wurde die Straße offiziell ein Teil des neuen amerikanischen Highway-Systems. Das Projekt sollte die Vereinigten Staaten mit einem Netz nummerierter Fernstraßen verbinden und den wachsenden Autoverkehr strukturieren. Die Route 66 wurde dabei zu einer der wichtigsten Ost-West-Verbindungen des Landes und führte von Chicago bis nach Santa Monica – rund 3.900 Kilometer durch acht Bundesstaaten.

Schon bald entwickelte sich die Route 66 zu einer Legende. Während der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre wurde sie zur Fluchtroute für tausende Familien aus den von Dürre und Staubstürmen geplagten Great Plains. Schriftsteller John Steinbeck nannte sie später die „Mother Road“. In den 1950er und 1960er Jahren wurde die Straße zum Symbol des amerikanischen Roadtrips – mit Motels, Neonreklamen, Tankstellen und Diners. Doch fast alle diese Geschichten beginnen im Jahr 1926. Und genau hier liegt das Problem.

Das Centennial (100-jähriges Jubiläum) der Route 66 lenkt den Blick vor allem auf ihre Rolle als Tourismusikone und eröffnet zugleich die Chance, ihre indigene Vorgeschichte neu zu erzählen.

Wandgemälde zur Geschichte der Route 66 an einer Gebäudefassade in Arizona.
Lange Zeit war die indigene Geschichte entlang der Route nur ein Teil von Wandbildern oder anderen Attraktionen © Wolfgang Greiner

Eine Straße, zwei Geschichten

Bevor Autos über diese Straße fuhren, verliefen entlang derselben Landschaft alte Handelswege indigener Völker. Jäger, Händler und Reisende bewegten sich entlang dieser Pfade quer über den Kontinent. In vielen Fällen folgte die spätere Straße schlicht diesen uralten Routen. Heute verlaufen über 1.372 Meilen der Route 66 – mehr als die Hälfte der gesamten Strecke – durch sogenanntes „Indian Country“, also Gebiete indigener Nationen und Jurisdiktionen. Und doch fehlten indigene Stimmen lange Zeit in der Geschichte der berühmtesten Straße Amerikas. Stattdessen prägten kitschige Klischees das Bild: Beton-Tipis, „Wigwam“-Motels, stereotype Wandbilder oder Werbeschilder, die ein romantisiertes Bild des Wilden Westens verkauften. „Diese Bilder hatten wenig mit der Realität zu tun“, so Rupert. „Sie vermittelten ein vereinfachtes, statisches Bild indigener Kulturen – als wären wir Figuren aus der Vergangenheit.“ 

Das hundertjährige Jubiläum der Route 66 bietet deshalb die Gelegenheit, die Geschichte neu zu erzählen.

Klassischer Muscle Car auf der Route 66 im Sonnenuntergang neben Maisfeldern in Illinois.
Ein klassisches Muscle Car im Sonnenuntergang – für viele das ikonische Bild der Route 66 und des amerikanischen Roadtrips. Doch entlang der berühmten Strecke von Chicago bis zum Pazifik verläuft eine viel ältere Geschichte: Die Straße folgt vielerorts uralten Handelswegen indigener Völker, deren Kulturlandschaften noch heute große Teile der Route prägen © Illinois Office of Tourism

Illinois – Wo die Reise beginnt

Chicago: Die urbane indigene Gemeinschaft Amerikas

Der Anfang der Route 66 wirkt überraschend unspektakulär. An der Michigan Avenue in Chicago, Illinois, steht das bekannte braun-weiße Schild „Historic Route 66“. Touristen fotografieren sich davor, bevor sie ihre Reise Richtung Westen beginnen. Von hier aus führt die Straße rund 3.900 Kilometer bis nach Santa Monica an den Pazifik.

Historic Route 66 Startpunkt in Chicago zwischen Hochhäusern.
Der offizielle Startpunkt der historischen Route 66 in Chicago © Illinois Office of Tourism

Doch lange bevor Autos über diese Route fuhren, lebten hier indigene Völker. Die Region Illinois war ursprünglich Heimat der Illiniwek-Konföderation, eines Zusammenschlusses mehrerer Algonkin sprechender Stämme entlang des Mississippi-Tals. Zu diesen Gruppen gehörten unter anderem die Kaskaskia, die Peoria, die Tamaroa und die Cahokia. Ihre Dörfer lagen an den Ufern großer Flüsse, die zugleich wichtige Handelsrouten waren.

Startpunkt der historischen Route 66 an der Ecke Michigan Avenue und Adams Street in Chicago.
Das Route 66-Schild am Eck Adams Street/Michigan Avenue, gegenüber des Art Institute of Chicago © Wolfgang Greiner

Der Mississippi war für Nordamerika das, was der Rhein für Europa war: eine Verkehrsader, entlang der sich Kulturen, Handel und Kommunikation entwickelten. Mit der europäischen Kolonisierung und der Expansion der Vereinigten Staaten wurden viele dieser Gemeinschaften im 18. und 19. Jahrhundert verdrängt. Die indigene Präsenz verschwand jedoch nie aus Chicago.

Auto fährt über den historischen Brick Road Abschnitt der Route 66 bei Auburn in Illinois.
Ein Fahrzeug fährt über den historischen „Brick Road“-Abschnitt der Route 66 bei Auburn in Illinois © Dice Sales

In den 1950er-Jahren startete die US-Regierung ein Programm zur Umsiedlung indigener Menschen in große Städte. Ziel war es, Reservate zu entvölkern und Native Americans stärker in die Mehrheitsgesellschaft zu integrieren. Chicago wurde zu einem der wichtigsten Ziele dieser Politik.

Heute leben über 65.000 Native Americans im Großraum Chicago; Angehörige von mehr als 200 verschiedenen Stämmen. Das kulturelle Zentrum dieser Gemeinschaft ist das American Indian Center of Chicago, gegründet 1953. Hier finden Powwows, kulturelle Veranstaltungen und Bildungsprogramme statt – ein Treffpunkt für indigene Menschen aus dem ganzen Land.

Gerade internationale Besucher verbinden die indigene Kultur in den USA oft mit abgelegenen Reservaten oder historischen Schauplätzen. Tatsächlich sind indigene Gemeinschaften auch in Städten und modernen Kulturzentren präsent. Bereits wenige Stunden westlich von Chicago erinnert eine andere Landschaft daran, wie tief die indigene Geschichte Nordamerikas reicht.

Besucher im Museum der Cahokia Mounds State Historic Site in Illinois.
Ausstellung zur präkolumbischen Mississippi-Kultur im Museum der Cahokia Mounds State Historic Site in Collinsville, IL © Dice Sales

Missouri – Die Landschaft der verschwundenen Hügel

St. Louis und die verlorene „Mound City“

Kurz vor St. Louis passiert die Route 66 eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Nordamerikas. Die Cahokia Mounds nahe Collinsville, Illinois, (rund 23 km vor St. Louis, Missouri, gelegen) bildeten um das Jahr 1200 eine der größten Siedlungen der Welt. Archäologen schätzen, dass hier bis zu 20.000 Menschen lebten – eine Bevölkerungszahl, die damals größer war als die vieler europäischer Städte.

Das Zentrum der Stadt war ein riesiger Zeremonialhügel, heute bekannt als Monks Mound. Von seiner Spitze aus überblickten religiöse und politische Führer einst eine Stadt aus Holzgebäuden, Plätzen und weiteren Erdhügeln. Cahokia war Teil der sogenannten Mississippian-Kultur, die weite Teile des östlichen Nordamerikas prägte. Als die Route 66 später den Mississippi überquerte und nach Missouri führte, verschwand ein Großteil dieser Geschichte aus dem Blickfeld.

Wandgemälde indigener Motive entlang der Route 66 in Cuba, Missouri.
Murals in Cuba, Missouri, erzählen entlang der Route 66 Geschichten aus der Geschichte und Kultur Nordamerikas © Visit Missouri

St. Louis trug einst den Spitznamen „Mound City“, weil mehr als 40 prähistorische Hügel rund um die Stadt lagen. Heute ist nur noch Sugarloaf Mound erhalten. Der Hügel gehört inzwischen der Osage Nation, deren Vorfahren einst große Teile des Missouri-Gebiets bewohnten, bevor sie im 19. Jahrhundert zwangsumgesiedelt wurden. Die meisten Reisenden fahren an diesem Ort vorbei, ohne seine Geschichte zu kennen.

Retro-Schild „Springfield – Route 66 Birthplace“ vor dem Rail Haven Motel in Springfield, Missouri.
Springfield in Missouri gilt als „Birthplace of Route 66“, da hier 1926 der Name der legendären Fernstraße offiziell festgelegt wurde © Visit Missouri

Kansas – Dreizehn Meilen Geschichte

Die Great Plains und das Land der Kanza

Gerade einmal 21 Kilometer der Route verlaufen durch den Südosten des Bundesstaates Kansas – ein schmaler Abschnitt zwischen Galena und Baxter Springs. Für viele Reisende ist Kansas deshalb nur eine kurze Durchfahrt auf dem Weg nach Oklahoma. Doch selbst diese wenigen Meilen führen durch eine Landschaft mit tiefen historischen Spuren.

Al-le-ga-wa-ho Denkmal im Kaw Tribal Park in Kansas.
Das Al-le-ga-wa-ho-Denkmal im Kaw Tribal Park erinnert an den letzten traditionellen Häuptling der Kaw Nation © Harland J. Schuster

Der Name Kansas geht auf die Kanza oder Kaw zurück, ein indigenes Volk der Plains, dessen Name oft als „Menschen des Südwinds“ übersetzt wird. Über Jahrhunderte lebten die Kanza entlang der Flüsse des heutigen Kansas und Missouri. Ihre Dörfer lagen an wichtigen Handelsrouten, die den Mississippi mit den Great Plains verbanden. Doch wie in vielen Regionen der Vereinigten Staaten veränderte sich diese Landschaft im 19. Jahrhundert dramatisch.

Rekonstruktion einer Kanza-Erdhütte im Independence Park in Atchison, Kansas.
Rekonstruktion einer traditionellen Erdhütte des Kanza-Volkes im Independence Park in Atchison, Kansas © Harland J. Schuster

Mit der Expansion der USA nach Westen begann eine Phase systematischer Umsiedlungen indigener Völker. Zahlreiche Stämme aus den östlichen Bundesstaaten wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und in Gebiete westlich des Mississippi zu ziehen – viele von ihnen in das damalige Indian Territory, das später zu Oklahoma wurde. Kansas wurde dabei zu einem Durchgangsland dieser Vertreibungen.

Der „Trail of Death“ der Potawatomi

Eine der tragischsten Episoden dieser Geschichte ereignete sich im Jahr 1838, nur wenige Kilometer nördlich der späteren Route 66. Damals zwang die US-Regierung 859 Angehörige der Potawatomi-Nation, ihre Heimat im heutigen Indiana zu verlassen. Unter militärischer Bewachung mussten sie zu Fuß 660 Meilen (ca. 1.060 km) nach Westen marschieren – in ein Reservat im Gebiet des heutigen Kansas. Der Marsch begann im September 1838, dauerte 61 Tage und führte durch Hitze, Regen und Krankheit. Viele der Vertriebenen waren Kinder oder ältere Menschen. Nahrung und medizinische Versorgung waren knapp. Als die Gruppe schließlich ihr Ziel nahe Osawatomie, Kansas, erreichte, waren 42 Menschen gestorben, darunter viele Kinder. In der Erinnerung der Potawatomi ging dieser Marsch als „Trail of Death“ – Pfad des Todes – in die Geschichte ein. Der Trail of Death gehört zu einer Reihe von Zwangsumsiedlungen indigener Völker im 19. Jahrhundert, zu denen auch der bekanntere Trail of Tears der Cherokee gehört.

Trail of Death Memorial in Centerville, Kansas.
Das Trail-of-Death-Memorial in Centerville erinnert an die Zwangsumsiedlung der Potawatomi im Jahr 1838 © Kansas Tourism

Das Trail-of-Death-Memorial in Centerville

Heute erinnert ein Denkmal im kleinen Ort Centerville, Kansas, an diese Ereignisse. Das Trail of Death Memorial steht nahe der damaligen Umsiedlungsroute und erinnert an den langen Marsch der Potawatomi durch Kansas. Eine Granitstele und Informationstafeln erzählen die Geschichte der Vertreibung und erinnern an die Menschen, die auf dem Weg starben. Der Ort wirkt unscheinbar – eine kleine Gedenkstätte am Rand der weiten Plains. Doch genau solche Orte zeigen, wie eng die Landschaft entlang der Route 66 mit der Geschichte indigener Nationen verbunden ist. Viele Reisende fahren durch Kansas, ohne zu wissen, dass sich nur wenige Kilometer entfernt einer der bedeutendsten Erinnerungsorte indigener Geschichte im Mittleren Westen befindet.

Holzkreuze am Trail-of-Death-Memorial in Centerville, Kansas.
Holzkreuze markieren im Trail-of-Death-Memorial bei Centerville die Grabstätten zahlreicher Potawatomi © Kansas Tourism

Kurze Etappe – lange Geschichte

Als die Route 66 1926 eröffnet wurde, war Kansas längst Teil der Vereinigten Staaten geworden. Doch die Geschichte der Landschaft war damit nicht verschwunden. Entlang der Route 66 liegen zahlreiche Orte, deren historische Bedeutung weit über das 20. Jahrhundert hinausreicht. Gerade Kansas zeigt das besonders deutlich.

Nur wenige Meilen der Route führen durch den Bundesstaat – doch sie verlaufen durch eine Region, in der sich Geschichten von Migration, Vertreibung und kultureller Kontinuität überlagern. Wer hier unterwegs ist, bereist nicht nur ein paar Meilen der Route 66, sondern durchläuft ein Kapitel der amerikanischen Geschichte, das bis heute nachwirkt.

Powwow Grounds in Medicine Lodge, Kansas, mit Tipi und Zeremonienkreis.
Die Powwow Grounds in Medicine Lodge, Kansas, sind ein wichtiger Treffpunkt für traditionelle Feste und kulturelle Veranstaltungen © Elisa Stone / Kansas State Tourism

Oklahoma – Das Herz indigener Vielfalt

Indian Territory: Die Geschichte der Umsiedlungen

Wer die Route 66 durch Oklahoma fährt, durchquert einen der kulturell komplexesten Räume Nordamerikas. Kein Bundesstaat ist enger mit der indigenen Geschichte der Straße verbunden als Oklahoma. Fast 630 Kilometer der Route 66 verlaufen hier – mehr als irgendwo sonst entlang der Strecke. Doch die Bedeutung Oklahomas für die Geschichte indigener Völker geht weit über die Straße hinaus. Heute leben hier 39 offiziell anerkannte indigene Nationen, mehr als in jedem anderen Bundesstaat der USA. Für viele von ihnen ist Oklahoma jedoch nicht die ursprüngliche Heimat. Die meisten wurden im 19. Jahrhundert hierher zwangsumgesiedelt.

Indian Territory: Die lange Geschichte der Vertreibung und warum Oklahoma heute Heimat von 39 indigenen Nationen ist

Um zu verstehen, warum Oklahoma heute eine so große indigene Vielfalt besitzt, muss man in das frühe 19. Jahrhundert zurückgehen. Zu dieser Zeit verfolgte die Regierung der Vereinigten Staaten eine Politik der sogenannten Indian Removal – der Zwangsumsiedlung indigener Völker aus den östlichen Bundesstaaten in Gebiete westlich des Mississippi.

Das Gebiet des heutigen Oklahoma wurde damals als Indian Territory ausgewiesen. Für viele Stämme bedeutete diese Umsiedlung eine Katastrophe.

Ausstellung zum Trail of Tears im Cherokee National Museum.
Eine Ausstellung im Cherokee National Museum erinnert an den Trail of Tears und die Zwangsumsiedlung der Cherokee im 19. Jahrhundert © National Archives and Records Administration

Zwischen 1830 und 1850 wurden Zehntausende Menschen aus ihren angestammten Gebieten im Südosten der USA vertrieben – darunter die Cherokee, Muscogee (Creek), Chickasaw, Choctaw und Seminole. Der Marsch der Cherokee in ihr neues Territorium wird als Trail of Tears – der Pfad der Tränen – bezeichnet. Tausende Menschen starben während der Zwangsumsiedlung. Als die Route 66 fast hundert Jahre später gebaut wurde, führte sie mitten durch diese Region. Sherry L. Rupert von der American Indigenous Tourism Association ist sich bewusst, dass viele Menschen die Route 66 als Straße der Freiheit sehen, hebt jedoch hervor, dass sie für viele indigene Familien eine Route der Vertreibung war.

Eine Straße durch viele Nationen

Heute verläuft die Route quer durch das historische Indian Territory. Der Highway führt durch oder grenzt an die Gebiete zahlreicher Stämme, darunter die Quapaw, Miami, Cherokee, Muscogee (Creek), Sac and Fox, Cheyenne und Arapaho, Iowa Tribe und Wichita. Für Reisende ist diese Vielfalt oft unsichtbar. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt entlang der Straße Museen, Powwows, Kulturzentren und Stammesunternehmen, die von dieser Geschichte erzählen.

Klassischer Oldtimer vor Route-66-Souvenirshop in Oklahoma.
Klassische Route-66-Szenerie an „Buck Atom’s Cosmic Curios on 66“ – doch hinter den ikonischen Roadtrip-Motiven Oklahomas liegt einer der kulturell komplexesten Räume Nordamerikas mit zahlreichen Territorien indigener Nationen © Jametlene Reskp / Unsplash

Die Quapaw Nation – wo die Route 66 Oklahoma erreicht

Kurz nachdem Route 66 Kansas verlässt, erreicht sie Oklahoma im Gebiet der Quapaw Nation. Der Name Quapaw stammt aus der Sprache des Stammes und bedeutet ungefähr „die stromabwärts lebenden Menschen“. Ursprünglich lebten die Quapaw entlang des Mississippi. Im 19. Jahrhundert wurden sie – wie viele andere – nach Westen verdrängt.

Heute liegt ihr Stammeszentrum im äußersten Nordosten Oklahomas, und die Route 66 führt direkt durch dieses Gebiet. Besucher können hier das Robert Whitebird Cultural Center besuchen, das die Geschichte des Stammes dokumentiert. Powwows, traditionelle Tänze und kulturelle Veranstaltungen bringen regelmäßig Menschen aus vielen Nationen zusammen.

Für Reisende ist dies oft die erste Begegnung mit der lebendigen indigenen Kultur entlang der Route 66.

Die Miami Nation – Eine Reise aus den Great Lakes

Wenige Kilometer weiter westlich verläuft die Route 66 durch das Gebiet des Miami Tribe of Oklahoma. Die Geschichte der Miami zeigt besonders deutlich, wie weitreichend die Umsiedlungen des 19. Jahrhunderts waren. Die ursprüngliche Heimat der Miami lag nicht in Oklahoma – sondern im Gebiet der Great Lakes, vor allem in den heutigen Bundesstaaten Indiana, Ohio und Illinois. Erst durch Verträge und militärischen Druck wurden sie gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und nach Westen zu ziehen.

Logo der Miami Tribe of Oklahoma mit traditionellem Siegel.
Das Siegel der Miami Tribe of Oklahoma steht für die kulturelle Identität eines indigenen Volkes, dessen Geschichte eng mit der Zwangsumsiedlung in das heutige Oklahoma verbunden ist © Miami Tribe of Oklahoma

Heute leben mehr als 4.000 Mitglieder der Miami Nation in Oklahoma. Die Stadt Miami (ausgesprochen „Mai-äm-ah“) trägt den Namen des Stammes, und die Route 66 verläuft direkt durch sie hindurch. Hier verbinden sich die Geschichten der Straße mit denen eines Volkes, dessen Reise einst quer durch den Kontinent führte.

Die Cherokee Nation – Erinnerung an den Trail of Tears

Weiter südlich erreicht die Route 66 das Gebiet der Cherokee Nation. Mit mehr als 300.000 eingeschriebenen Mitgliedern ist sie heute die größte indigene Nation der Vereinigten Staaten. Ihre Geschichte ist eng mit einem der dunkelsten Kapitel der amerikanischen Geschichte verbunden.

Landschaft am Grand Lake O’ the Cherokees bei Disney in Oklahoma.
Blick über den Grand Lake O’ the Cherokees nahe Disney im Nordosten Oklahomas – einer Region im historischen Territorium der Cherokee Nation © Eli Missing / Unsplash

Die Cherokee lebten ursprünglich im Südosten der USA – in den heutigen Bundesstaaten Georgia, Tennessee und North Carolina. 1838 begann auch ihre Zwangsumsiedlung. Der Trail of Tears wurde zu einem der bekanntesten Symbole der amerikanischen Indianerpolitik. Schätzungsweise 4.000 Cherokee starben auf dem Weg in das neue Territorium.

Heute liegt die Hauptstadt der Cherokee Nation in Tahlequah, etwa zwei Stunden südöstlich von Tulsa. Besucher können hier das Cherokee National History Museum sowie mehrere kulturelle Einrichtungen besuchen. Jedes Jahr im September findet außerdem der Cherokee National Holiday statt – eine der größten indigenen Kulturveranstaltungen Nordamerikas.

Gedenkstätte zum Trail of Tears mit Karte der Zwangsumsiedlung der Cherokee.
Eine Karte am Trail-of-Tears-Gedenkort zeigt den Weg der Zwangsumsiedlung der Cherokee von den Südstaaten in das heutige Oklahoma © It’sOnlyMakeBelieve / Wikimedia Commons

Die Muscogee (Creek) Nation – Traditionen des Südostens

Ein weiteres wichtiges Stammesgebiet entlang der Route 66 gehört der Muscogee (Creek) Nation. Auch die Muscogee stammen ursprünglich aus dem Südosten der Vereinigten Staaten – aus Regionen, die heute zu Alabama und Georgia gehören. Ihre Kultur war eng mit den Flusssystemen des Südostens verbunden. Die Umsiedlung nach Oklahoma bedeutete deshalb nicht nur einen geografischen Verlust, sondern auch eine tiefgreifende kulturelle Veränderung. Doch viele Traditionen wurden bewahrt. Eine davon ist der Stomp Dance, eine spirituelle Zeremonie, die bis heute bei bestimmten Stammesfesten praktiziert wird. Solche kulturellen Praktiken zeigen, dass indigene Kulturen nicht statisch sind, sondern sich über Generationen hinweg weiterentwickeln.

Route 66 und die Erfindung des Wilden Westens

In den 1930er- bis 1950er-Jahren entwickelte sich Route 66 zu einer wichtigen touristischen Route durch den amerikanischen Westen. Motels, Restaurants und Tankstellen entstanden entlang der Straße. Viele dieser Betriebe setzten stereotype Darstellungen indigener Kulturen ein, um Touristen anzulocken. Tipis aus Beton, überdimensionale Totempfähle oder „Indian Trading Posts“ gehörten zu den typischen Attraktionen.

Wigwam Motel mit Tipi-förmigen Zimmern entlang der Route 66 in Arizona.
Das Wigwam Motel entlang der Route 66 in Arizona steht exemplarisch für die touristischen Fantasiebilder indigener Kulturen, mit denen Motels und Attraktionen Reisende im 20. Jahrhundert anlockten © John Lutz

„Diese Darstellungen hatten wenig mit realen indigenen Kulturen zu tun“, sagt Rupert. „Sie waren Teil einer touristischen Fantasie.“ 

Heute versuchen viele indigene Gemeinschaften, diese Narrative zu korrigieren. Museen, Kulturzentren und indigene Reiseangebote entlang der Route 66 ermöglichen es Besuchern, echte Geschichten kennenzulernen.

„Indigener Tourismus bedeutet, dass wir unsere Geschichten selbst erzählen“, sagt Rupert. „Und dass Besucher verstehen können, dass unsere Kulturen lebendig sind.“ 

Illustration eines Route-66-Schilds mit der Aufschrift „Native Route US 66“ und Federn.
Illustration der „Native Route 66“ als Symbol indigener Perspektiven entlang der Mother Road

Eine neue Perspektive auf die Mother Road

Hundert Jahre nach ihrer Eröffnung verändert sich der Blick auf die Route 66 langsam. Was einst nur als nostalgische Autostraße galt, wird zunehmend auch als kulturelle Landschaft verstanden. Eine Landschaft, in der sich Geschichten von Migration, Vertreibung, Widerstand und kultureller Kontinuität überlagern. „Die Mother Road ist nur ein Kapitel in einer viel älteren Geschichte“, sagt Rupert. Und genau diese Geschichte beginnt sich heute entlang der Route 66 neu zu entfalten.

Texas – Ein schmaler Korridor durch das Land der Plains-Völker

Nachdem die Route 66 Oklahoma verlassen hat, durchquert sie nur einen relativ kleinen Teil von Texas. Gerade einmal rund 290 Kilometer führen durch den sogenannten Texas Panhandle, die rechteckige nördliche Ausbuchtung des Bundesstaates. Für viele Reisende ist diese Landschaft eine Übergangszone – ein Ort, an dem die Wälder des Ostens endgültig verschwinden und die weiten Ebenen des amerikanischen Westens beginnen. Doch auch dieser scheinbar leere Raum besitzt eine lange indigene Geschichte.

Lighthouse Rock im Palo Duro Canyon State Park in Texas bei Sonnenuntergang.
Der Lighthouse Rock im Palo Duro Canyon ist eine der bekanntesten Felsformationen in Texas – eine Landschaft, die lange vor der Route 66 von indigenen Völkern der Southern Plains genutzt wurde © Brand USA

Bevor europäische Siedler in das Gebiet vordrangen, war der Panhandle Teil der riesigen Territorien mehrerer Plains-Völker, darunter vor allem der Comanche, Kiowa und Apache. Diese Gesellschaften entwickelten im 18. und 19. Jahrhundert eine hochmobile Kultur, die eng mit der Einführung des Pferdes verbunden war. Mit Pferden konnten sie große Teile der Great Plains kontrollieren – ein Gebiet, das Historiker später als Comancheria bezeichneten.

Texas Route 66 Visitor Center in Amarillo mit bemalter Fassade entlang der historischen Route 66.
Texas Route 66 Visitor Center in Amarillo im historischen Gebäude des ehemaligen Myers Fried Chicken Restaurants © Texas Route 66 Visitor Center

Die Comanche waren hervorragende Reiter und Händler. Sie kontrollierten Handelswege, tauschten Pferde und Büffelfelle und führten Kriege gegen andere Stämme ebenso wie gegen spanische und später amerikanische Siedler. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts verloren sie ihre militärische Dominanz, als die US-Armee systematisch gegen die Plains-Völker vorging und die Bisonherden nahezu vollständig ausrottete. Die meisten Comanche und Kiowa wurden schließlich in Reservate im heutigen Oklahoma gezwungen.

Cadillac Ranch Kunstinstallation nahe Amarillo an der Route 66 mit bunt besprühten Autos.
Cadillac Ranch bei Amarillo – eine der bekanntesten Roadside Attractions entlang der gesamten Route 66 © Heidi Kaden / Unsplash

Als die Route 66 1926 eröffnet wurde, führte sie durch eine Landschaft, die erst wenige Jahrzehnte zuvor Teil eines der größten indigenen Machtgebiete Nordamerikas gewesen war. Heute erinnern nur wenige Orte entlang der Straße an diese Geschichte. Städte wie Amarillo, Shamrock oder Adrian sind vor allem für ihre Route-66-Attraktionen bekannt: restaurierte Tankstellen, Diners, klassische Motels oder die berühmte Cadillac Ranch. Doch wer genauer hinschaut, erkennt, dass auch diese Region Teil der größeren Geschichte indigener Kulturlandschaften ist. Viele Reisende sehen entlang der Route nur Landschaft, aber Sherry L. Rupert von der AITA betont, dass diese Orte für indigene Gemeinschaften voller Geschichten sind. „Geschichten von Migration, Konflikt und Anpassung.“ 

New Mexico – Die Welt der Pueblos

Wo die Route 66 Texas verlässt und nach New Mexico führt, verändert sich die Landschaft erneut. Die flachen Ebenen der Great Plains gehen über in weite Wüsten, Tafelberge und vulkanische Hügel. Die Luft wird trockener, die Farben intensiver: rot, ocker und violett schimmern die Felsen im Abendlicht. Hier beginnt eine der ältesten Kulturlandschaften Nordamerikas.

Poeh Cultural Center der Pueblo of Pojoaque in New Mexico mit traditionellen Adobe-Gebäuden.
Das Poeh Cultural Center der Pueblo of Pojoaque bewahrt Kunst, Geschichte und Traditionen der Pueblo-Kulturen des Südwestens. Kulturzentren wie dieses zeigen, dass die Landschaft entlang der Route 66 nicht nur Roadtrip-Mythos ist, sondern auch Teil einer lebendigen indigenen Kulturlandschaft © American Indigenous Tourism Association

New Mexico ist Heimat von 19 Pueblo-Nationen, deren Geschichte bis weit vor die europäische Besiedlung zurückreicht. Anders als viele indigene Gesellschaften der Plains lebten die Pueblo-Völker traditionell in dauerhaften Siedlungen aus Lehm und Stein. Ihre Dörfer – oft auf Hügeln oder Mesas (Tafelberge) errichtet – waren religiöse, politische und wirtschaftliche Zentren. Archäologische Funde zeigen, dass viele dieser Gemeinschaften seit über tausend Jahren kontinuierlich bewohnt sind. Die Route 66 verläuft durch mehrere dieser historischen Gebiete.

Albuquerque: Eine Stadt zwischen zwei Kulturen

Die größte Stadt entlang der Route 66 in New Mexico ist Albuquerque. Die Stadt wurde 1706 von spanischen Kolonisten gegründet, doch lange zuvor lebten bereits Pueblo-Gemeinschaften entlang des Rio Grande. Heute verbindet Albuquerque zwei kulturelle Welten: die hispanisch geprägte Geschichte des Südwestens und die indigene Tradition der Pueblos.

Historischer Route-66-Abschnitt in Downtown Albuquerque mit klassischem Oldtimer auf Central Avenue.
Ein Oldtimer fährt über die Central Avenue in Albuquerque – hier folgt die historische Route 66 durch das Herz der Stadt. New Mexico ist zugleich Heimat von 19 Pueblo-Nationen, deren Geschichte und Kulturen diese Landschaft seit Jahrhunderten prägen © New Mexico True

Ein zentraler Ort, um diese Geschichte zu verstehen, ist das Indian Pueblo Cultural Center. Hier erzählen Ausstellungen von den Kulturen der 19 Pueblo-Stämme New Mexicos – von traditionellen Tänzen und religiösen Zeremonien bis zu moderner Kunst und Architektur. Besucher können dort auch die indigene Küche probieren oder Kunsthandwerker bei ihrer Arbeit beobachten. Orte wie diese machen deutlich, dass indigene Kultur nicht nur Teil der Vergangenheit ist, sondern bis heute lebendig fortbesteht.

Neonschild des historischen El Vado Motel an der Central Avenue entlang der Route 66 in Albuquerque, New Mexico.
Das El Vado Motel an der Central Avenue in Albuquerque gehört zu den klassischen Neon-Ikonen der Route 66 – und das im typischen südwestlichen Adobe-Stil © New Mexico True

Acoma Pueblo – Eine Stadt über den Wolken

Der Weg zum Acoma Pueblo führt über eine schmale Straße durch die Wüste. In der Ferne erhebt sich eine steile Sandsteinplattform – der Acoma Mesa. Oben auf diesem Tafelberg liegt eine Siedlung aus Lehmhäusern, die sich anscheinend aus dem Felsen selbst entwickelt hat. Acoma wird oft als „Sky City“ bezeichnet.

Lehmhäuser im historischen Dorf Acoma Pueblo auf einem Mesa in New Mexico.
Lehmhäuser im Dorf Acoma Pueblo, auch „Sky City“ genannt. Die Siedlung gilt als eine der ältesten dauerhaft bewohnten Gemeinschaften Nordamerikas und liegt nahe der Route 66 im Herzen der Pueblo-Region © New Mexico True

Die Gemeinschaft gilt als eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Siedlungen Nordamerikas. Archäologen gehen davon aus, dass hier seit über 1000 Jahren Menschen leben. Als die Spanier im 16. Jahrhundert in die Region kamen, fanden sie die Siedlung bereits vor. Heute leben viele Mitglieder der Acoma-Nation weiterhin in der Region. Besucher können den Mesa mit lokalen Guides betreten.

Skulpturen indigener Figuren vor dem Sky City Cultural Center am Acoma Pueblo in New Mexico.
Skulpturen vor dem Sky City Cultural Center am Acoma Pueblo erzählen von der Geschichte und Kultur der Acoma-Nation. Nur wenige Kilometer entfernt verläuft die Route 66 © Sky City Cultural Center & Haak’u Museum

Während die Sonne langsam hinter den Bergen verschwindet, färben sich die Lehmhäuser golden. Der Blick reicht kilometerweit über die Wüste. Die Route 66 liegt nur wenige Kilometer entfernt. Doch auf dem Mesa scheint die Zeit langsamer zu vergehen. An Orten wie Acoma Pueblo wird unmittelbar klar, wie weit zurück die Geschichte dieser Landschaft reicht.

Arizona – Durch das Land der Navajo, Hopi und Hualapai

Westlich von New Mexico führt die Route 66 nach Arizona. Hier erreicht die Straße einige der spektakulärsten Landschaften Nordamerikas: die Painted Desert, die weiten Hochplateaus des Colorado Plateaus und schließlich den Grand Canyon. Gleichzeitig verläuft die Route 66 durch oder nahe an den Gebieten mehrerer großer indigener Nationen vorbei. Darunter die Navajo Nation, der Hopi Tribe und der Hualapai Tribe. Diese Gemeinschaften haben unterschiedliche Sprachen, kulturelle Traditionen und historische Erfahrungen. Doch alle teilen eine enge Verbindung zur Landschaft des amerikanischen Südwestens.

Alter Pickup-Truck an der historischen Route 66 bei Oatman in Arizona mit Arizona-Flagge.
Vintage-Pickup an der Route 66 bei Oatman in der Wüste Arizonas © Arizona Office of Tourism

Navajo Nation – Das größte indigene Territorium der USA

Die Navajo Nation ist mit über 70.000 Quadratkilometern die größte indigene Reservation der Vereinigten Staaten. Sie erstreckt sich über Teile von Arizona, New Mexico und Utah. Die Navajo nennen sich selbst Diné, was schlicht „das Volk“ bedeutet. Ihre Kultur basiert auf einem komplexen System aus Geschichten, Ritualen und Beziehungen zur Natur.

Flagge der Navajo Nation weht im Wind vor blauem Himmel in Arizona.
Die Flagge der Navajo Nation – der größten indigenen Nation der USA – weht im Wind über dem Südwesten © Arizona Office of Tourism


Viele berühmte Orte des amerikanischen Westens liegen innerhalb oder nahe des Navajo-Gebiets – darunter Monument Valley, Canyon de Chelly oder der Little Colorado River Gorge. Die Hauptstadt der Navajo Nation liegt in Window Rock, wo sich auch das Navajo Nation Museum befindet. Das Museum erzählt die Geschichte der Diné von ihren Ursprüngen bis in die Gegenwart.

Reiter im Monument Valley Navajo Tribal Park vor roten Sandsteinformationen in Arizona.
Reittour im berühmten Monument Valley Navajo Tribal Park im Gebiet der Navajo Nation © Mark W. Lipczynski

Hopi Mesas – Eine der ältesten Kulturen Nordamerikas

Das Hopi-Reservat ist eine eigenständige souveräne Nation, geografisch weitgehend vom Navajo-Gebiet umschlossen, aber nicht Teil der Navajo Nation. Die Hopi gehören zu den ältesten kontinuierlich existierenden Kulturen Nordamerikas. Ihre Dörfer liegen auf mehreren Mesas im Norden Arizonas.

Traditionelle Hopi-Körbe mit geometrischen Mustern aus der Iskasokpu Gallery in Second Mesa, Arizona.
Traditionelle Hopi-Korbkunst aus Second Mesa im Gebiet des Hopi Tribe in Arizona. © Iva Honyestewa

Die Hopi sind besonders bekannt für ihre religiösen Zeremonien, ihre Keramikkunst und ihre komplexe Symbolwelt. Viele Hopi-Gemeinschaften pflegen ihre Traditionen sehr bewusst. Touristen können einige ausgewählte Orte besuchen, doch viele Zeremonien und Orte bleiben ausschließlich den Mitgliedern der Gemeinschaft vorbehalten.

Ruinen des Wupatki Pueblo im Wupatki National Monument in Arizona.
Ruinen eines Pueblo-Dorfes im Wupatki National Monument nahe Flagstaff, Arizona © Flagstaff Convention and Visitors Bureau

Peach Springs – Die Route 66 im Land der Hualapai

Weiter westlich erreicht die Route 66 schließlich das Gebiet der Hualapai. Ihr Territorium umfasst große Teile des westlichen Grand Canyon. Die Stammeshauptstadt liegt in Peach Springs, genau dort, wo Route 66 durch das Reservat führt.

In den letzten Jahrzehnten haben die Hualapai eine Reihe touristischer Projekte entwickelt – darunter den berühmten Grand Canyon Skywalk, eine gläserne Plattform, die über den Rand des Canyons hinausragt. Der Skywalk wurde von manchen Kritikern zunächst skeptisch betrachtet. Doch für die Hualapai ist er Teil einer Strategie, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu schaffen. „Indigener Tourismus bedeutet wirtschaftliche Chancen“, sagt Rupert. „Aber er muss von den Gemeinschaften selbst gestaltet werden.“

Desert View Watchtower am Grand Canyon mit Blick über die Schlucht des Colorado River in Arizona.
Der Desert View Watchtower am Grand Canyon wurde von Mary Colter entworfen und orientiert sich an traditionellen Pueblo-Bautraditionen © Scott Johnson

Grand Canyon West – Ein Abstecher von der Route 66

Nur rund eine Stunde südlich von Peach Springs liegt eines der spektakulärsten Ziele im Gebiet der Hualapai: Grand Canyon West. Im Gegensatz zu den bekannteren Aussichtspunkten im Grand Canyon National Park gehört dieser Teil des Canyons vollständig der Hualapai Nation und wird von ihr selbst verwaltet. Besucher erreichen das Gebiet über eine Straße, die von der Route 66 bei Peach Springs abzweigt.

Eingang zum Skywalk und Aussichtspunkte am Grand Canyon West im Gebiet der Hualapai Nation in Arizona.
Grand Canyon West im Gebiet der Hualapai Nation bietet spektakuläre Ausblicke über die Schlucht des Colorado River. Der berühmte Skywalk und mehrere Aussichtspunkte zeigen, wie indigene Nationen entlang der Route 66 Tourismusprojekte entwickeln, um ihre Landschaft und Kultur selbst zu präsentieren © American Indigenous Tourism Association

Grand Canyon West bietet mehrere Aussichtspunkte über die gewaltige Schlucht des Colorado River. Am bekanntesten ist der Skywalk, eine hufeisenförmige Glasplattform, die rund 20 Meter über den Rand des Canyons hinausragt. Von hier fällt der Blick fast 1.200 Meter in die Tiefe. Doch der Ort bietet weit mehr als spektakuläre Aussichten. Im Hualapai Ranch Village erleben Besucher eine Mischung aus Geschichte und moderner Stammeskultur. Traditionelle Tänze, Handwerkskunst und kulturelle Programme geben Einblicke in das Leben der Hualapai. Auch geführte Touren durch den Canyon oder Bootsfahrten auf dem Colorado River werden von Stammesmitgliedern angeboten.

Besucher auf dem Skywalk am Grand Canyon West im Gebiet der Hualapai Nation in Arizona.
Der Grand Canyon Skywalk im Gebiet der Hualapai Nation ragt über den Rand der Schlucht und bietet spektakuläre Ausblicke auf den Colorado River © Jake C / Unsplash

Für viele Reisende entlang der Route 66 ist Grand Canyon West deshalb nicht nur ein Aussichtspunkt, sondern eine Gelegenheit, die Landschaft aus einer anderen Perspektive zu erleben. Grand Canyon West macht deutlich, dass der Canyon nicht nur als Naturwunder betrachtet werden kann, sondern auch als kulturelle Heimat der Hualapai.

Kalifornien – Durch die Mojave-Wüste zum Pazifik

Nachdem die Route 66 Arizona verlassen hat, führt sie nach Kalifornien, den letzten Bundesstaat der Reise. Die Straße durchquert zunächst die Mojave-Wüste, eine Landschaft aus kargen Bergen, trockenen Ebenen und weit auseinanderliegenden Orten. Für viele Reisende ist dieser Abschnitt einer der symbolträchtigsten der gesamten Route 66. Hier scheint die Straße wirklich ins Unendliche zu führen. Doch auch diese Landschaft ist Teil einer viel älteren Geschichte.

Wandbild mit Karte der historischen Route 66 von Chicago bis Santa Monica.
Das Wandbild in Oro Grande, Kalifornien, zeigt den Verlauf der historischen Route 66 von Chicago bis an den Pazifik © David Collier

Die Handelswege der Mojave-Wüste

Lange bevor die Route 66 gebaut wurde, war die Mojave-Wüste ein Handelsnetzwerk indigener Völker. Stämme wie die Mojave, Chemehuevi, Cahuilla und Serrano bewegten sich entlang dieser Routen zwischen dem Colorado River, den Bergen Kaliforniens und der Pazifikküste. Diese Wege verbanden Handelszentren, heilige Orte und saisonale Jagdgebiete. Für europäische Siedler erschien die Mojave später als scheinbar leere Wüste. Doch für die indigenen Kulturen des Südwestens war sie eine vertraute Landschaft mit eigenen geografischen Bedeutungen. Auch heute leben mehrere indigene Gemeinschaften in der Region.

Straßenmarkierung der Route 66 auf einer Wüstenstraße bei Sonnenuntergang.
Straßenmarkierung der historischen Route 66 in der Mojave Wüste © David Collier

Die Fort Mojave Indian Tribe beispielsweise besitzt Gebiete entlang des Colorado River an der Grenze zwischen Kalifornien, Arizona und Nevada. Die San Manuel Band of Mission Indians lebt weiter südlich, nahe San Bernardino, und gehört heute zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Stämmen Kaliforniens. Für Rupert zeigt gerade Kalifornien, wie sehr sich indigene Gemeinschaften verändert haben. „Viele Menschen stellen sich indigene Kulturen als etwas vor, das nur in der Vergangenheit existiert“, sagt sie. „Doch in Wirklichkeit sind indigene Nationen Teil der modernen Gesellschaft – wirtschaftlich, politisch und kulturell.“ 

Luftaufnahme des Wigwam Motel an der Route 66 in San Bernardino, Kalifornien.
Das Wigwam Motel an der Route 66 in Kalifornien nutzt Tipiformen als Motelzimmer – ein Beispiel dafür, wie indigene Symbolik entlang der Straße oft für touristische Zwecke vereinfacht und vermarktet wurde © David Collier

Während die Route 66 weiter nach Westen führt, wird die Landschaft dichter besiedelt. Wüstenorte gehen über in Vororte, Einkaufszentren und schließlich in die riesige Metropolregion von Los Angeles. Die Straße, die einst als Verbindung zwischen ländlichen Regionen und dem Westen gebaut wurde, endet heute mitten in einer der größten Städte der Welt.

Künstler malt ein großes Wandbild mit indigener Darstellung an einer Gebäudefassade.
Künstler arbeitet in LA an einem Wandbild zur indigenen Geschichte Kaliforniens © Carl Avery Studios

Santa Monica – Das Ende der Straße

Der Pazifik rauscht gegen die Holzpfeiler des Santa Monica Piers. Möwen kreisen über dem Wasser. Die Luft riecht nach Salz und gebratenem Fisch aus den Restaurants entlang der Promenade. Am Ende des Piers steht das berühmte Schild: “End of the Trail – Historic Route 66.” Reisende aus aller Welt versammeln sich hier für ein Foto. Manche sind die gesamte Strecke gefahren. Andere nur ein Stück. Doch für fast alle hat dieser Ort eine symbolische Bedeutung.

Menschen am Santa Monica Pier vor dem Route-66-End-of-the-Trail-Schild.
Der Santa Monica Pier markiert das symbolische Ende der historischen Route 66 am Pazifik © Wolfgang Greiner

Die Route 66 endet hier – nach rund 3.900 Kilometern quer durch die Vereinigten Staaten. Für viele Besucher ist dieser Moment der Höhepunkt eines Roadtrips. Doch auch diese Küste besitzt eine viel ältere Geschichte.

Bevor Los Angeles entstand, lebten hier die Tongva, deren Dörfer sich entlang der kalifornischen Küste erstreckten. Die Tongva waren geschickte Händler und Seefahrer. Mit ihren Kanus, den sogenannten Ti’at, bewegten sie sich entlang der Küste und zu den vorgelagerten Inseln. Die Region um Los Angeles war Teil eines dichten Handelsnetzwerks, lange bevor europäische Kolonisten hier ankamen.

Heute erinnern nur wenige sichtbare Zeichen an diese Geschichte. Doch Initiativen indigener Gemeinschaften versuchen zunehmend, das Bewusstsein für diese Vergangenheit zu stärken. Kulturelle Programme, Bildungsinitiativen und Museumsprojekte erzählen von der Geschichte der Tongva und anderer Völker der Region. Auch das gehört zur neuen Perspektive auf die Route 66. „Wenn wir über Route 66 sprechen“, sagt Rupert, „müssen wir verstehen, dass diese Straße durch die Heimat vieler Nationen führt – Nationen mit eigenen Gesetzen, Kulturen und Geschichten.“ 

Santa Monica Pier mit Riesenrad bei Sonnenuntergang an der Pazifikküste.
Der Santa Monica Pier mit seinem Riesenrad gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen am Ende der Route 66 © Wolfgang Greiner

Der Pazifik färbt sich langsam orange, als die Sonne untergeht. Die Lichter des Piers beginnen zu leuchten. Und während Touristen Fotos vor dem berühmten Schild machen, wird deutlich, dass die Geschichte dieser Straße weit mehr ist als ein Kapitel amerikanischer Popkultur.

Eine Straße, zwei Geschichten

Hundert Jahre nach ihrer offiziellen Eröffnung steht die Route 66 an einem besonderen Punkt ihrer Geschichte. Das Jubiläum wird entlang der gesamten Strecke gefeiert. Restaurierte Tankstellen öffnen wieder ihre Türen. Alte Motels werden renoviert. Festivals erinnern an die goldene Ära der amerikanischen Autokultur.

Für viele Menschen ist die Route 66 ein Symbol für Freiheit, Abenteuer und den Traum vom offenen Horizont. Doch dieses Jubiläum eröffnet auch eine andere Perspektive. Denn die Geschichte der Route 66 beginnt nicht im Jahr 1926.

Sie beginnt viel früher.

Sie beginnt mit den Handelswegen indigener Völker, die seit Jahrhunderten durch diese Landschaften führten. Sie beginnt mit Gemeinschaften, die bereits lange vor der Entstehung der Vereinigten Staaten existierten.

Und sie setzt sich bis heute fort. Indigene Initiativen entlang der Route 66 wollen die Geschichte der Straße nicht nur ergänzen, sondern aktiv mitprägen. Und so entstehen in vielen Regionen neue Angebote, die Besuchern authentische Einblicke in indigene Kulturen ermöglichen – von Museumsbesuchen über geführte Touren bis hin zu kulinarischen Erlebnissen. Diese Projekte verfolgen ein klares Ziel: Tourismus soll nicht nur Unterhaltung sein. Er soll auch Verständnis schaffen.

Hier ist die besagte Karte aus dem Video zu finden: destinationnativeamerica.com/map

Im Idealfall schafft indigener Tourismus keine konsumierbare Folklore, sondern respektvolle Begegnungen, Einordnung und Verständnis. Gerade für internationale Reisende kann die Route 66 eine besondere Erfahrung sein.

Viele Besucher kommen nach Amerika, um die legendäre Straße zu erleben. Doch wer sich auf die Geschichten hinter der Straße einlässt, entdeckt eine tiefere Ebene der Reise. Eine Reise durch die Geschichte eines Kontinents. Eine Reise durch Landschaften, die seit Jahrhunderten Heimat verschiedener Kulturen sind.

Und vielleicht auch eine Reise, die zeigt, dass die berühmteste Straße Amerikas mehr ist als nur eine nostalgische Touristenattraktion. Sie ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart zusammenlaufen.

Die Zukunft der Mother Road

Nachdem die Route 66 im Jahr 2026 ihren hundertsten Geburtstag gefeiert hat, wird sie vermutlich auch weiterhin ein Symbol amerikanischer Reisekultur bleiben. Doch vielleicht wird sie auch etwas anderes. Eine Straße, die nicht nur die Geschichte des amerikanischen Roadtrips erzählt. Sondern auch die Geschichte der Menschen, deren Heimat diese Landschaften seit Jahrtausenden sind.

Verändert sich der Blick auf die Landschaft, verändert sich auch das Verständnis der Route 66. Vielleicht liegt genau darin ihre Zukunft. Nicht in der Nostalgie, sondern im Verständnis ihrer gesamten Geschichte.

Die Route 66 bleibt eine Straße der Träume. Doch wer heute über sie fährt, reist nicht nur durch amerikanische Popkultur, sondern auch durch die jahrtausendealte Geschichte indigener Nationen.

Tesla und fliegender Cadillac vor Neon-Route-66-Schild, Trading Post und Wüstenlandschaft.
Route 66 zwischen Vergangenheit und Zukunft: Neon-Americana trifft auf indigene Symbole (Foto: KI)


Chicago, Illinois – urbanes Indigenous America

Zum Auftakt lohnt der Blick auf Chicago nicht nur als Startpunkt der Mother Road, sondern auch als Stadt mit einer großen urbanen indigenen Gemeinschaft. Für den Artikel ist das der richtige Einstieg in die Erkenntnis, dass indigene Kultur in den USA nicht nur in Reservaten stattfindet. 

Mehr Infos: indigenous-chicago.org

Cahokia / Raum St. Louis – die ältere Geschichte Nordamerikas

Auch wenn Cahokia nicht direkt als tribale Attraktion im heutigen Sinne fungiert, ist die Region ein zentraler Hinweis darauf, dass entlang der Route 66 bereits lange vor der Straße komplexe indigene Kulturlandschaften existierten. 

Mehr Info: cahokiamounds.org

Oklahoma – das Kernland der indigenen Route 66

Oklahoma ist der wichtigste Staat für eine indigene Lesart der Route 66. AITA und Destination Native America heben hier entlang der Straße mehrere tribale Perspektiven hervor, darunter die Geschichte der Quapaw, Miami, Cherokee und anderer Nationen. Ein besonders konkreter aktueller Stopp ist das Shawnee Tribe Cultural Center, das ausdrücklich als neue Route-66-Attraktion beschrieben wird. 

Mehr Info: Shawnee Tribe Cultural Center

Albuquerque, New Mexico – Indian Pueblo Cultural Center

Für viele Reisende ist das einer der stärksten Stopps der gesamten Reise: ein Ort, an dem die Kulturen der Pueblo-Nationen verständlich, zeitgenössisch und besucherfreundlich vermittelt werden. 

Mehr Info: Indian Pueblo Cultural Center

Acoma Pueblo / Sky City, New Mexico

Acoma gehört zu den eindrucksvollsten indigenen Orten entlang der weiteren Route-66-Region und wird von Sherry L. Rupert ausdrücklich als einer der Orte genannt, an denen Reisende lebendige indigene Kultur und historische Tiefe wirklich erfahren können. 

Mehr Info: Sky City Cultural Center

Hopi Homelands, Arizona

Die Hopi-Region mit Arts Trail, Handwerk und Führungen ist einer der kulturell dichtesten Abschnitte der indigenen Route 66. Wichtig ist hier: nicht alles ist frei zugänglich, und genau das gehört zum respektvollen Reisen dazu. 

Mehr Infos: Website des Hop Tribe

Window Rock / Navajo Nation, Arizona

Mit Museum, Kulturangeboten und dem politischen Zentrum der Navajo Nation ist Window Rock ein Schlüsselort, um die Route 66 nicht nur landschaftlich, sondern auch politisch und historisch zu verstehen. 

Mehr Info: www.visitarizona.com

Peach Springs & Grand Canyon West, Arizona

Dieser Abstecher ist eines der sichtbarsten Beispiele für tribally operated tourism entlang der Route 66. Grand Canyon West zeigt, wie Landschaft, Wirtschaft und kulturelle Souveränität zusammenkommen können. 

Mehr Info: Grand Canyon West

Kalifornien – Fort Mojave, San Manuel, Tongva-Kontext

Am westlichen Ende der Route wird die indigene Geschichte oft am stärksten übersehen. Gerade deshalb lohnt der Hinweis, dass auch Kalifornien und der Raum Los Angeles auf indigenen Homelands liegen und Teil dieser größeren Route-66-Erzählung sind. 

Mehr Info: www.visitcalifornia.com


Du bist Gast.

AITA betont ausdrücklich: Wer ein Reservat oder eine Native Nation besucht, ist dort Gast und sollte die Regeln der jeweiligen Gemeinschaft respektieren. Manche Orte sind offen zugänglich, andere nur eingeschränkt oder nur nach Anmeldung. 

Nicht alles fotografieren.

Vor allem bei Zeremonien, Tänzen, Kunstobjekten, Gräbern, heiligen Orten oder in Kulturzentren gilt: erst prüfen, dann fotografieren. Was an einem Ort erlaubt ist, kann am nächsten ausdrücklich unerwünscht sein. 

Keine Einheitlichkeit unterstellen.

AITA weist darauf hin, dass indigene Kulturen in den USA kein Monolith sind. Jede Nation hat eigene Geschichte, Regeln, Protokolle und Grenzen für das, was öffentlich geteilt werden soll. 

Privatsphäre respektieren.

Nicht jedes Dorf, jede Straße oder jedes Wohngebiet ist ein touristischer Ort. Auch auf tribalen Homelands gilt: Menschen leben dort; es ist keine Freilichtkulisse. 

Vor dem Besuch informieren.

Am besten vorab auf der Website der jeweiligen Nation, des Kulturzentrums oder über Destination Native America prüfen, ob Besucher willkommen sind, was geöffnet ist und welche Regeln gelten. 

Leave No Trace.

AITA empfiehlt in Kooperation mit Leave No Trace die üblichen Grundregeln verantwortungsvollen Reisens: vorbereitet anreisen, nichts mitnehmen, keinen Müll hinterlassen, Wildtiere respektieren und Rücksicht auf andere nehmen. 


Die klassische Route ist keine durchgehende Straße mehr.

Die historische Route 66 war von 1926 bis 1985 offiziell Teil des US-Highway-Systems. Heute ist sie nur noch abschnittsweise als Historic Route 66 erhalten und verläuft oft parallel zur Interstate 40 oder wird durch sie ersetzt. Wer die Strecke komplett fahren will, braucht deshalb eine gute Navigation und sollte gezielt nach den ausgeschilderten Altabschnitten suchen. 

Die Route 66 ist lang – und lebt von Etappen.

Von Chicago bis Santa Monica sind es rund 2.400 Meilen beziehungsweise knapp 3.900 Kilometer. Realistisch ist die Strecke in zwei bis drei Wochen, entspannter in drei bis vier Wochen, wenn man Abstecher und Kulturstopps einbauen will. Die Route 66 war nie nur eine Durchgangsstraße, sondern immer auch eine Straße der Umwege, Motels und Roadside Attractions. 

Nicht jeder der spannendsten Orte liegt direkt an der Straße.

Gerade die „indigene Route 66“ bietet oft lohnende Abstecher: zu Museen, Pueblos, Kulturzentren oder tribalen Aussichtspunkten. Wer sich nur an der asphaltierten Hauptlinie orientiert, verpasst leicht den eigentlichen Mehrwert dieser Reise. 

Historic Route 66 heißt nicht automatisch touristische Vollversorgung.

Viele klassische Orte sind klein, und manche Services sind saisonal oder eingeschränkt. Es lohnt sich, Unterkünfte, Tankstopps und Öffnungszeiten vorab zu prüfen – vor allem in ländlichen Abschnitten Arizonas, New Mexicos und Kaliforniens. Das gilt umso mehr, wenn man gezielt indigene Kultureinrichtungen oder tribale Ziele besuchen will. 

Informationen zu Reisen in den USA – nicht nur entlang der Route 66 – gibt es auf Deutsch unter www.visittheusa.de.

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