In einigen Skigebieten in den USA und Kanada droht der Winterbetrieb derzeit ins Stocken zu geraten – nicht wegen Schneemangels, sondern aufgrund von Arbeitskonflikten. Betroffen sind vor allem Ski-Patrouillen, deren Arbeit für Sicherheit, Lawinenkontrolle und Rettungseinsätze unverzichtbar ist. In einem Fall führte der Streik sogar zur vollständigen Schließung eines Resorts, andernorts drohen Arbeitsniederlegungen oder wurden behördlich angeordnete Betriebspausen verhängt.

Telluride, Colorado: Komplettschließung nach Streik der Ski Patrol
Im US-Bundesstaat Colorado wurde das Telluride Ski Resort Ende Dezember 2025 auf unbestimmte Zeit geschlossen. Auslöser war ein Streik der Ski Patrol, nachdem Tarifverhandlungen zwischen Patrouillengewerkschaft und Betreiber gescheitert waren. Die Ski Patrol forderte unter anderem höhere Grundlöhne, bessere Schichtmodelle und eine Anpassung an die gestiegenen Lebenshaltungskosten in der Region.
Da ohne zertifizierte Ski Patrol kein sicherer Betrieb möglich ist, entschied sich der Eigentümer, das gesamte Skigebiet zu schließen. Anders als bei Teilstreiks in der Vergangenheit waren damit sämtliche Lifte, Pisten und Serviceeinrichtungen außer Betrieb.

Zutritt & Skitouren:
Mit der offiziellen Schließung ist auch das Betreten des Skigebiets untersagt – selbst für Skitourengeher. Das Gelände gilt weiterhin rechtlich als Privatbesitz. Wer dennoch einsteigt, fährt ohne Versicherungsschutz, haftet selbst für Rettungskosten und riskiert Bußgelder oder ein Hausverbot.
Rückerstattung:
Tageskarteninhaber erhalten in der Regel Rückerstattungen oder Gutschriften. Bei Saisonpässen – insbesondere bei überregionalen Pässen – hängt die Erstattung von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab; häufig greifen hier „Force-Majeure“-Klauseln oder anteilige Kompensationen.

Québec: Mögliche Streiks in Le Massif de Charlevoix
In Kanada droht Anfang Januar 2026 ein Streik im Skigebiet Le Massif de Charlevoix. Auch hier stockten die Tarifverhandlungen zwischen Beschäftigten und Betreibern, insbesondere zu Arbeitszeiten, Löhnen und saisonaler Beschäftigungssicherheit. Zum Zeitpunkt der Berichte war der Streik noch nicht vollzogen, ein Arbeitskampf ab dem 2. Januar jedoch möglich. Betreiber und Gewerkschaften befanden sich in einer angespannten Verhandlungslage.
Zutritt:
Solange kein offizieller Streik oder behördlicher Schließungsbescheid vorliegt, bleibt der Zugang regulär. Bei einem Streik kann es jedoch zu Teilöffnungen ohne vollständige Sicherheitsabdeckung kommen – was rechtlich heikel ist.

Mont-Sainte-Anne: Schließung per Regierungsanordnung
Ein Sonderfall ist das Skigebiet Mont-Sainte-Anne nahe Québec City und ganz in der Nähe von Le Massif gelegen. Hier ordnete die Provinzregierung erneut eine Schließung an – nicht aufgrund eines Streiks, sondern wegen ungelöster Sicherheits- und Organisationsprobleme nach einem Betreiberwechsel. Bereits zuvor war das Gebiet zeitweise geschlossen worden.
Die Maßnahme zeigt, dass öffentliche Stellen in Kanada stärker in den Betrieb eingreifen, wenn Sicherheitsstandards nicht erfüllt sind.

Darf man bei Streiks trotzdem ins Skigebiet?
Grundsätzlich gilt in den USA wie in Kanada:
- Geschlossene Skigebiete dürfen nicht betreten werden, auch nicht für Skitouren.
- Versicherungsschutz (Unfall, Rettung) entfällt bei unerlaubtem Zutritt.
- Betreiber können Bußgelder, Rettungskosten oder zivilrechtliche Forderungen geltend machen.
Ein häufiger Irrtum europäischer Gäste besteht darin, dass Berge „frei zugänglich“ seien. In Nordamerika sind Skigebiete fast immer privates Gelände. Bei Missachtung der Regeln droht der Entzug des Skitickets oder Schlimmeres.
Rückerstattung: Was passiert mit bereits bezahlten Tickets?
- Tageskarten: meist volle Rückerstattung oder Umbuchung
- Mehrtagestickets: anteilige Erstattung
- Saison- und Verbundpässe: abhängig von Passbedingungen; oft keine vollständige Erstattung, sondern Kulanzregelungen
Empfehlenswert ist der Abschluss einer Reiserücktritts- oder Skireiseversicherung, die auch Arbeitskämpfe abdeckt.

Warum verdienen Ski Patrols vergleichsweise wenig – trotz hoher Ticketpreise?
Liftkartenpreise in Nordamerika liegen oft deutlich über europäischen Niveaus, wie wir bereits mehrfach berichtet haben. Tageskarten von 200 US-Dollar und mehr sind keine Seltenheit. Dennoch verdienen viele Beschäftigte – insbesondere Ski Patrol, Liftpersonal oder Pistencrew – relativ niedrige Stundenlöhne.
Das wirkt paradox, ist aber strukturell erklärbar:
- Preisstruktur: Ein Großteil der Einnahmen fließt nicht direkt in den laufenden Betrieb, sondern in:
- Schuldendienst und Investitionen
- Immobilienentwicklung
- Marketing, IT, Versicherungen
- Shareholder-Renditen (bei börsennotierten Betreibern)
- Arbeitsmarkt: Die Ski Patrol ist hochqualifiziert, aber historisch schlecht bezahlt – oft aus der Annahme heraus, dass „Bergarbeit Berufung“ sei. In teuren Bergregionen kollidiert das zunehmend mit den realen Lebenshaltungskosten.
- Saisonarbeit: Viele Jobs sind saisonal, ohne ganzjährige Absicherung. Tarifverträge sind weniger verbreitet als in Europa.
- Unternehmensstruktur: In Nordamerika dominieren große Betreiber oder Eigentümermodelle, während in Europa häufig kommunale oder genossenschaftliche Strukturen existieren.
Die aktuellen Streiks sind daher weniger ein kurzfristiger Konflikt als Ausdruck eines systemischen Spannungsfeldes zwischen steigenden Preisen, Investorenlogik und Arbeitsrealität.
Die Streiks und Schließungen in Nordamerika machen sichtbar, wie abhängig der moderne Skibetrieb von qualifiziertem Personal ist – und wie fragil das System werden kann, wenn wirtschaftliche Erwartungen und Arbeitsbedingungen auseinanderdriften. Für Gäste bedeutet das: genau hinschauen, sich vorab informieren – und nicht davon ausgehen, dass ein Skigebiet im Zweifel „schon irgendwie offen“ sein wird.
UPDATE 9. Januar 2026:
Das US-amerikanische Skigebiet Telluride und die Telluride Professional Ski Patrol Association (TPSPA) haben eine Einigung erzielt und damit den Streik der Pistenpatrouillen beendet.
UPDATE 20. Januar 2026:
Das kanadische Skigebiet Le Massif de Charlevoix hat den restlichen Betrieb der Saison 2025/26 eingestellt, nachdem Tarifverhandlungen mit rund 300 streikenden Beschäftigten endgültig gescheitert sind. Nach Ablehnung eines letzten Vertragsangebots und einer Schlichtung durch die Gewerkschaft erklärte das Management, dass die notwendigen Beschneiungs- und Sicherheitsarbeiten ohne Rückkehr der Belegschaft nicht mehr fristgerecht umgesetzt werden können. Die vollständige Schließung trifft die Region kurz vor der Hauptferienzeit und unterstreicht die zunehmenden arbeitsrechtlichen Spannungen in Nordamerikas Skigebieten.
